Neue Unterhandlung. 53
telegraphirte ihm umgehend zurück, bei dem Heranrücken der
Bayern müsse er morgen in aller Frühe die Hannoveraner
angreisen, weil er sonst zwischen zwei Feuer kommen und
keine Verantwortung weiter übernehmen könne. Indessen, als
er am 26. Juni Morgens vier Uhr eben zu Pferde steigen
wollte, empfing er Moltke's Antwort, daß der Stillstand bis
zehn Uhr dauere, vorher aber Oberst von Döring noch zu
einer Unterhandlung an König Georg gesandt werde; nach
zehn Uhr sei anzugreifen, falls nicht Döring den Friedensschluß
melde. Falckenstein, äußerst unwillig, entließ die
Truppen, und sandte einen Officier nach Langensalza mit der
Botschaft, daß er den Stillstand respectiren werde. Dies
beruhigte den König Georg einiger Maaßen, so daß er auf
die Sendung des Oberstlieutenants Rudorff nach Berlin
zurückkam, und ihn dieses Mal über Gotha gehen zu lassen,
beschloß. Rudorff sollte für freien Durchmarsch nach dem
Süden Neutralität auf acht Wochen verheißen, mit dem Zusatze,
daß bei entgegenstehendem Drängen anderer Regierungen
der König seine Armee beurlauben würde. Dies Anerbieten
hätte schwerlich in Berlin ausgereicht: dort aber hatte Bismarck
schon Tags zuvor von dem etwas zweifelnden Könige
die Erlaubniß erlangt, in Langensalza noch einen Versuch
mit dem Bündnißantrage des 14. Juni zu machen, der bei der
bedenklichen Lage der jetzt in der That umstellten hannover'schen
Armee vielleicht bessere Aussicht als während der verhängnißvollen
Nacht in Herrnhausen, haben würde. Noch am Abend
des 25. wurde Döring mit diesem Auftrage abgesandt; noch
einmal war eine Möglichkeit eröffnet, im Laufe des 26. Juni
zum Frieden zu gelangen. Wiederum aber sollte ein neuer
Zwischenfall die Lage völlig verwandeln.