52 Unterwerfung Norddeutschlands.
die Verzögerung seines schönen Marsches auf Frankfurt, die
ihm aufgenöthigte Entsendung des Generals Flies, der Zwang
zur Verfolgung der ihm sehr gleichgültigen Hannoveraner,
das Alles setzte sein immer heißes Blut in Wallung. Da
meldete sich bei ihm bald nach seiner Ankunft Oberstlieutenant
Rudorff, und begehrte auf Grund des mit Alvensleben geschlossenen
Stillstandes einen Extrazug nach Berlin, um die
Antwort König Georg's dorthin zu überbringen. Falckenstein,
der seinerseits noch keine Nachricht über den Stillstand erhalten,
wohl aber eine angeblich sichere, in Wahrheit allerdings
grundlose Meldung von dem Erscheinen bayerischer
Truppen bei Vacha bekommen hatte, hielt Rudorff's Erscheinen
für eine hannover'sche Finte, um Zeit für die Vereinigung
mit den Bayern zu gewinnen, und wies jenen barsch und
unhöflich mit der kurzen Bemerkung ab, er möge sich einen
Extrazug von Alvensleben geben lassen:). König Georg, als
er das erfuhr, war außer sich, meinte darin einen treulosen
Bruch der am Morgen geschlossenen Abrede zu sehen,
und zog vorsichtig seine Truppen aus der Nähe von Eisenach
zurück. Falckenstein aber blieb dann auch nach dem Empfange
von Moltke's Telegramm bei seiner Meinung, daß Alvensleben
sich habe gründlich täuschen lassen, daß die verlangte
Bedenkzeit nur die Vereinigung mit den Bayern zum Zwecke
habe, daß hier für Preußen Selbsterhaltung geboten sei.
Dies schrieb er auf den Rand von Moltke's Depesche, und
1) Es kam dazu das Mißtrauen gegen die Loyalität der Hannoveraner
wegen des Versuchs auf Eisenach troh des Dammers“'schen Vertrags.
Sodann war es befremdend, daß Rudorff zu der sehr eiligen Reise nach
Berlin von Langensalza nicht nach Gotha ging, sondern den Umweg
über Eisenach machte, was Knorr I, S. 272 sehr gut entwickelt, und
Wengen S. 727 nicht zu widerlegen vermag.