198 21. Der Abg. Ledebour. — 22. Der Royalismus des Kanzlers.
fertig, die Regierungen sind es auch, das sage ich en connaissance
de causc.
Und was die Diplomaten betrifft, das haben Sie ja beobachten können
während der letzten Wochen, so erblicken sie ihre Aufgabe mehr oder weniger
darin, mit Löscheimern herbeizueilen, wo irgendwo aus der Tiefe Feuerflammen
aufsteigen.
(Heiterkeit.)
Uberhaupt, meine Herren, verstehe ich nicht die Abneigung gegen die
Diplomaten, die aus allen Außerungen des Herrn Abgeordneten Ledebour
sprach. Er gebraucht das Wort Diplomat fast immer nur im sarkastischen
Sinne, sozusagen mit Gänsefüßchen.
(Heiterkeit.)
Nun, meine Herren, es hat auch recht tüchtige Diplomaten gegeben. Und
ich kenne sogar in der sozialdemokratischen Partei manchen Herrn, der gar
nicht ohne diplomatische Begabung ist.
(Große Heiterkeit.)
Von dem Herrn Abgeordneten Ledebour kann ich das freilich nicht behaupten.
(Stürmische Heiterkeit.)
Meine Herren, aus dem, was ich soeben gesagt habe, ersehen Sie,
daß die Zeit der Kabinettskriege vorüber ist, und das ist ein Glück. Sie
entnehmen daraus aber auch die Uberzeugung, wie sehr jetzt alle diejenigen,
die in irgend einem Grade Einfluß auf die öffentliche Meinung haben,
und vor allem die Parlamente und ihre Mitglieder dazu beitragen sollen,
die auf den Frieden gerichteten Bemühungen der Regierungen vertrauensvoll
zu unterstützen.
(Sehr gut!)
Daß das von seiten der Vertreter aller bürgerlichen Parteien heute geschehen
ist, dafür spreche ich nochmals meinen Dank aus.
(Vielfaches lebhaftes Bravo.)