Metadata: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6a. (6a)

Opposition des Landtags in der Sinanz#frage; Besorgnisse Wilhelms I. 425 
jetzige Deficit von uns theilweis vorausgesehn und deshalb ein Ersatz der ausfallenden 
Einnahmen in Sestalt der Soll-Vorlagen rechtzeitig beantragt worden war, diese Vor- 
lagen aber im Sollparlament keine Annahme gefunden haben. 
H. Kohl, Bismarchbriefe 1836 bis 1672, 6. A., S. 327 f. 
1199. Schreiben an König Wllhelm J. 
Eigenhändis 
m bekämpfen imstande Jein wird. Die Zeitungen weisen bereits zut den Schatz und Ver- 
ringerun 
henn uccht sagen, wie mich diele, Finand-Srage bekümmert, da man ein dVektnn Desicit nach dem 
Jahre 1866 nie erwartet hättel 
Varzin, den 27. Oktober 1668. 
Eurer Miaojestät lege ich meinen ebrfurchtsvollen Dank für die in so gnädiger Weise 
erfolgte Bewilligung meines weitern Urlaubs zu Süßen. Mit Mücksicht auf die bevor- 
stehenden parlamentarischen Kämpfe halte ich mit Curer Majestät jede Schwächung des 
Heeres und des Schatzes für absolut ausgeschlossen vom Drogramm. Um auf den drei 
parlamentarischen Kriegsschauplätzen, auf denen wir im Lande, im Bunde und im Soll- 
verein zu operiren haben, kein Terrain zmu verlieren, müssen wir meines allerunterthänigsten 
Dafürhaltens nicht schon in dem ersten Vorpostengefechte, welches wir dem Landtage m 
liefern haben, das Capital-Vermögen des Staates zur Deckung laufender Ausgaben 
anbieten. Das hieße eine werthvolle Prooinz ohne Schwertschlag räumen. Ich bitte 
ebenso dringend als ehrfurchtsvoll, behalten Cure Waoajestät die Entschließung bierüber 
bis dahin vor, daß eventuell die ZSuschläge zu den directen Steuern abgelehnt sind; 
wir können dann immer noch als Concession verwerthen, was wir jetzt ohne Autzen gratis 
bingeben würden. Ob nach der Ablehnung jener Zuschläge, unter einstweiliger Reduc- 
tion der Ausgaben, der Rest des Deficits auf das Capital-Vermögen des Staates über-- 
nommen werden soll, darüber werden Eure Alajestät im Laufe des Dercember, nach 
erneuter Berathung im Staatsministerium und mit genauer Kenntniß der bis dahin vom 
Gegner genommenen Stellung immer noch befinden können. Die Surcht, in der Minorität 
zu bleiben, ist ein schlechter Rathgeber, wenn sie uns von vorn herein bestimmt, die Nach- 
theile freiwillig zu arceptiren, welche ein verlorener Seldzug uns bringen konn. ECure 
Mgojestät haben durch beldenmüthige Standhaftigkeit in Momenten, wo auch ich zum Nach- 
geben rieth (1862/63), große Siege auf parlamentarischem Gebiete erfochten; halten Aller- 
böchstdieselben auch jetzt, wo ich lediglich nach den Grundsätzen parlamentarischer Strategie 
dazu rathe, eine Position fest, die gegen Aequivalente später immer noch von uns auf- 
gegeben werden kann, ohne schlechtere Bedingungen als die, welche wir jetzt ohne Kampf 
uns auferlegen würden. Der Finanj-Minister schreibt mir, daß er meine Aeußerungen 
über die Deficit-Fragen Curer Maojestät vorgelegt hat, ich darf daber auf dieselben ehr- 
furchtsvoll Bezug nehmen. 
1 Siebe Nr. 1192.