Full text : Borussia. Bilder aus der Geschichte des preußischen Vaterlandes.

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53.  Johann  von  Leyden.
(12.  Juni  1533.)

Und  vor  Münster  lag  der  Bischof,  längst  verrann  des  Jahres  Frist:
Steile  Wälle,  starke  Mauern  wehrten  aller  Kunst  und  List.
Schrecklich  ist  sein  Bundsgenosse,  Hunger  schleichet  durch  die  Stadt,
Und  das  Volk  der  Wiedertäufer  wandelt  bleich,  hohläugig,  matt.

Nur  in  dessen  Prunkgemächern,  der  sich  Zion's  König  heißt,

Herrschet  schwelgerische  Fülle,  Wand  und  Herzen  —  Alles  gleißt.

An  des  Speisesaales  Decke  prangt  in  gold'ner  Lettern  Pracht
Demuthsstolz  des  Königs  Wahlspruch:  „Meine  Kraft  ist  Gottes  Macht!“

Diener  tragen  goldne  Schüsseln,  ihre  Kleidung  grau  und  grün,
Deutend:  Tod  des  alten  Menschen  und  des  Neuen  Auferblühn;
Und  ein  weiß  Barett  giebt  Kunde,  daß  das  Volk  der  Unschuld  hold,
Daß  die  Nächstenlieb'  unendlich,  zeigt  der  Fingerreif  von  Gold.

An  der  Tafel  schwelgt  der  König,  dessen  Haupt  die  Kron'’  umzirkt,
Angethan  mit  Scharlachsammet,  reich  von  Spitzen  golddurchwirkt.
Hinter  ihm  zwei  Knaben  halten  —  der  des  alten  Bundes  Buch,

Der  das  Schwert:  daß  Leib  und  Geister  seine  Macht  in  Fesseln  schlug.

Ihm  zur  Seite  schöne  Frauen  aus  der  Königinnen  Schaar,

Frech  der  Blick,  die  Rede  fündig,  güldne  Krönlein  in  dem  Haar.
Krechting,  fein  und  bleich  zu  schauen,  flüstert  ihm  verschmitzten  Rath,
Knipperdolling's  düstres  Antlitz  kündet  Mord  und  wilde  That.

Und  der  Orgel  mächt'ige  Klänge  fluthen  durch  den  fünd'gen  Raum,
Der  Posaune  mahnend  Rufen  störet  nicht  den  wüsten  Traum.

Alle  Triebe  sind  entfesselt,  Lust  in  wilden  Flammen  loht,
Ueberströmen  die  Pokale  —  draußen  heult  das  Volk  nach  Brot.

Langsam  öffnet  sich  die  Pforte,  tritt  ein  schönes  Weib  herein,

Und  der  Lärm  des  Mahls  verstummet,  schal  im  Becher  wird  der  Wein,
Ihr  vom  Haupt  zum  Fufße  nieder  fließet  schlicht  und  weiß  Gewand,
Ringe  bringt  sie,  Demantspangen,  Perlenschnüre,  goldnen  Tand.