Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

Die Kämpfe zwischen Weichsel und Orzye 
ie Schlacht in den masurischen Wäldern war geschlagen. In weitem 
Vogen hielten die deutschen Ostarmeen und die Streitkräfte Osterreich= 
Ungarus die erkämpften Linien zwischen dem Rjemenknie und dem Czeremosz 
beseczt. Die allgemeine Lage war noch nicht endgültig bestimmt. Wohl 
war ein Flügel der russischen Heeresmacht aufs neue geschlagen und ihre 
zahlenmäßige Dberlegenheit eingeschränkt, aber ihre Masse fiel noch schwer 
ins Gewicht und ihre Leitung hatte sich Willen und Tatkraft bewahrt. Die 
Armeen Iwanows waren zwar von den Dässen der Hochkarpathen ge- 
wichen, behaupteten sich indes in der Dullasenke und an der DTalpforte der 
Bistrih und des Druth und sammelten neue Kräfte. Der Großfürst über- 
wand die Schwäche, die ihn bei der Nachricht von der Vernichtung der 
10. Armee befallen hatte, und begnügte sich nicht, Verstärkungen nach 
Kowno, Olita und Grodno zu werfen und die Rjemenlinie sicherzustellen, 
sondern schrite nach kurzer Oberlegung zu Gegenangriffen, um dem Sieger 
mit dem Vergeltungsschwert zu begegnen. 
Zu diesem Zweck trieb er die 12. Armee, die noch in der Sammlung be- 
griffen war, beschleunigt über den Narew vor und befahl Hlehwe, bei 
Praszuysz einzubrechen und in die innere Flanke des siegreichen deutschen 
Heeresflügels zu gelangen. 
Hindenburg hatte dies vorausgesehen. Als er die 8. und 10. Armee zur 
Winterschlacht aufbaute, um den Nordflügel des russischen Heeres im ver- 
schneiten Masuren zu zermalmen, war er darauf bedacht geblieben, die rechte 
Flanke seiner Angriffsarmeen zu sichern. Das war nur dann möglich, wenn 
die schwachen Kräfte des Generals Suren so verstärkt wurden, daß man 
an der Narewlinie angriffsweise verfahren und dem Gegner zuvorkommen 
konnte. Zu diesem Zwecke wurden zwischen dem Orzyc und der Weichsel 
eine neue Kampfarmee gebildet, über die General v. Gallwit den Befehl 
erhielt. Er kam zur rechten Zeit, denn Surens schwache Kräfte waren 
in den letzten Tagen des Januar ind Gedränge gekommen und befanden sich 
nördlich der Linie Sierpe—Dobrzyn mit großer Abermacht im Kampf. 
Die Russen verstärkten den rechten Flügel, verbreiterten die strategische 
Front und waren im Begriff, auf der ganzen Linie zwischen der Weichsel 
und dem Orzyc gen Nordwesten in der Richtung auf Soldau vorzurücken. 
Da machte sich um die Monatswende auf deutscher Seite der Einsatz frischer 
Kräfte geltend. Der russische Vormarsch kam jäh ins Stocken. Kosaken, die