262 Der Feldzug im Osten vom 14. Mai bis 7. Juli 1915
Elügel des erschütterten Gegners bei Gaje und Drohobycz aus seinen Höhen-
und Sumpfstellungen gegen Litynia. Am Tage darauf schritt Linsingen
mit vorgenommenem linken Flügel zur Verfolgung und bekrat am 1. Juni
das breit enekfaltete Dujestrtal, um dessen Pforten die Südarmee seit dem
22. Januar gerungen hatte. Unter Nachhuegefechten wichen die Russen auf
Kolodruby und Mikolajow gegen den Südrand des großen Dujestrmooses
und ins Hügelland zwischen der Tysmienica und dem Stryj. Auch hier
fanden sie keine Ruhe. Am J. Juni warf Bothmer sie aus einer Aufnahme-
stellung bei Tejsarow, 10 Kilometer südwestlich von Zydaczow, heraus,
und am Dage darauf wälzte die Südarmee die vor ihr weichenden Streit-
kräfte auf der ganzen Linie gegen den Dnjestrstrom.
Da die allgemeine Schlachthandlung in Galizien an diesem Tage in
der Eroberung Trzemysls gegipfelt hatte, schien für die Russen alles ver-
loren und ihre Wiszniastellung bereits in der Südflanke bedroht, dem
Linsingen streckte schon die Hand nach den Dujestrbrücken aus, über die der
Weg in die Südflanke des Lemberger Raumes führte.
In der Not rief Iwanow seinen Südflügel noch einmal zum Angriff
auf, um Linsingens Verfolgung durch einen Flankenangriff an der Gistrig
und am Pruth zum Stehen zu bringen, ehe Mackensen den Vorhang zum
fünften Schlachtakt um die Sanlinie in die Höhe riß. Es war der letzte
PVersuch, den Feldzug zu wenden und Mackensens Siegeszug durch einen
Gegenangriff aus der Südflanke zu hemmen.
Zweiter Akt: Der Durchbruch bei Sadzawka
Die Russen waren dem linken Flügel Pflanzer-Baltins von Majdan
auf Solotwina und Jablonka gefolgt. Am 1. Juni griffen sie die Osterreicher
bei Solotwina an und warfen sich am 2. Juni bei Nadworna und südlich
von Nadworna zwischen Lanzyn und Delatyn plötzlich mit Ubermacht auf
den vielfach beschäftigten Feind. Am J. Juni erschien der Russe mit starken
Kräften vor dem Druthbrückenkopf Sadzawka, wenige Kilometer oberhalb
von Kolomea, und erzwang in stürmischem Anlauf den #bergang auf das
rechte Afer. Ein Zittern lief durch die österreichischen Linien. Der Durch.
bruch gefährdete Delatyn und Kolomea und drohte die Armee Dflanzer-
Baltin aus dem Skand zu heben. Schon am Tage darauf ward offenbar,
daß es sich nicht um einen Fechterstreich, sondern um einen großangelegten
Versuch handelte, die Südflanke der Verbündeten aufzureißen und über
den Jablonikapaß in Ungarn einzudringen. Es war die Wiederaufnahme
des alten, zähe verfolgten Planes, der durch den Durchbruch bei Gorlice
im Keim geschädigt, aber nicht erstickt worden war und jetzt als steile Flamme
aus der Asche schop. Da der Großfürst zur gleichen Jeit Verstärkungen im