Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

Die Kämpfe an der Dubissa und der Aa 307 
Verstärkungen. Am 7. Juli drohte am Bug ein Einbruch in Mackensens 
strategische Flanke. Zwischen Puhallo, der mit der neugebildeten 1. Armee 
am Bug aufmarschierte, und der 11. Armee sprang eine Lücke auf. Der 
Gegendruck wurde so stark, daß die Kämpfe zu einer allgemeinen Schlache 
zusammenstlossen. Mackensen focht sie in der Abwehr aus und vollendete 
zugleich den Aufbau einer neuen Kampfgruppe an der Huczwa, um dem 
Einbruch zwischen dem Wieprz und dem Bug Halt zu bietken. Dort rang 
das XXXXlI. Reservekorps in der Skaffel verzweiselt um Stand. 
Jwanow setzte seine Angriffe troyh wachsender Schwierigkeiten bis zum 
12. Juli fort. Als seine Einbrüche keine Erfolge mehr zeitigten, grub er sich 
südlich von Lublin—Cholm in der Linie Opole—Krasnostaw—Grubieszow 
tief und tiefer ein und bot dem hart auflaufenden Gegner zuversichtlich 
Trot. Der Angriff des rechten AUmfassungsflügels der Verbündeten war 
zu stehendem Kampf um die wohlverteidigte Südflanke des polnischen 
Zentralramnes geworden. 
In diesem Augenblick ging die Handlung an den linken Umfassungs- 
flügel der Verbündeken über. Während Mackensen sich eingrub, die Masse 
der Bugarmee, der 11. Armee und der 4. Armee hinter den Schüctzenlinien 
von Grabowiec, Stara Jamosz, Turobin und Krasnik neu ordneke und 
die Armee Puhallo am Bug zur Sicherung der strategischen Flanke bereik- 
stellte, trat Hindenburg im Norden plötzlich zum Angriff an. 
Die Schlachtenfolge in Kurland und Nordpolen 
Erster Akt: Die Kämpfe an der Dubissa und der Aa 
Hindenburg warf die Armeen Gallwitz und Below im Doppelan- 
griff auf den überraschten Feind. 
Okto v. Velow bedrohte den äußersten rechten Flügel der russischen 
Aufstellung mit neuer Amfassung. Er ging zu beiden Seiten der Mitauer 
(Bahnlinie vor, überschrikt am 14. Juli fechtend die Windau und die Wenta, 
scheuchte die Russen bis Tuckum und Alt- Aut und erkämpfte die Linie 
Kurschany—Popeljand. Der Vormarsch Belows überraschte die Russen 
völlig. Es war wie im April, als Lauenstein über den Rjemen ging und 
in Gewaltmärschen auf Schaulen und Libau rückte. Wie damals der rechte, 
segte diesmal der linke Flügel vorauf. Er legte schon am ersten Abend 
— nach 52 Kilomelern Marsch — die Hand auf Goldingen. Kosaken, 
finnische Dragoner und Schühen leistelen in Korn und Gras, zwischen 
See und Wald lebhaften Widerstkand, vermochten aber den Anprall nicht 
aufzuhalten. Von Kürassieren, Alanen, Karabiniers und fliegenden Bat. 
terien auf den Flanken begleitet, gewann Belows linker Flügel am 15. Juli