Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

344 Der Feldzug im Osten vom 7. Jull bis 13. Nov. 1915 
Kampf und vermischt seinen Geschützdonner mit dem der Armee Gallwig, 
der stark und stärker vom AUnterlauf des Nurzec herübertönt. 
Von Süden schwillt das Getöse schwerer Kämpfe der Armeegruppe 
Mackensen, die seit dem 4. August in schwerflüssigem Bormarsch Raum 
gewonnen hat und bei Wlodawa und Parczew um die Sädwessslanke der 
Brest-Litowsker Zentralstellung ringt. 
Die Schlachtenfolge in Südpolen 
Vierter Akt: Der Durchbruch bei Wytyczno und Orzechow 
Der Großfürst hatte die Weichsel- und Narewarmeen auf die Nurzec— 
Buglinie zurückgerissen. Der Weichselsack war dadurch rüchwärts eingestülypt, 
die Frontk abgeflacht und die völlige Amfassung des vorgepreßten Zenkrums 
verhinderk worden. Aber die Linie Kowno—Brest-Litowst erschien dadurch 
mitnichten gesichert, denn Mackensens Vormarsch wühlte sich tief und tiefer 
in die Südflanke Brest- Litowsks und drohte die allgemeine Front zwischen 
Wlodawa und Luzk zu sprengen. 
Während bei Goworowo, vor Warschau und auf dem rechten Weichsel. 
ufer bei Garwolin gekämpft wurde, brachen sich Mackensens Angriffskolonnen 
gegen Sawin, Leuczna und Lubartow Bahn. Als der Angriff der 11. Armee 
am 3. August im ausgedehnten Sumpfgelände der Lchersla und der Swinka 
festgeriet, nahm Mackensen innerhalb der 11. Armee Werschiebungen vor 
und wies der Bugarmee einen breikeren Gefechtsstreifen an, um diese Be. 
wegung zu decken. Die strategische Enkwicklung mahnte zur Eile. 
Je näher der Russe zusammenrückte, um Brest-Litowssk zu erreichen und 
zu verteidigen, desto enger wurde der Kreisbogen der verfolgenden Armeen. 
Mackensens linker Flügel schob sich nach und nach gegen Nordosten und strebte 
nach festerer Verbindung mit der 11. Armee, die an der Swinla gefesselt stand. 
Am 4. August gelang es der Gardekavallerie, die Verbindung herzustellen. 
Sie brach durch das brennende Leuczna gegen Lubartow vor und sicherte 
den Anschluß an Josef Ferdinands rechten Flügel. An demselben Tage 
traf in Mackensens Haupkquartier zu Lublin die Meldung ein, daß Iwangorod 
gefallen sei. Am Tage darauf lief die Nachricht vom Falle Warschaus durch 
die Gräben an der Swinka. 
Da kam Bewegung in Mackensens erstarrte Mittelfront. Der MRusse 
begann die Swinkastellung unter dem wachsenden Druck zu räumen. Am 
7. August erreichte die Bugarmee Sawin, die 11. Armee Kresna und die 
Armee des Erzherzogs Lubartow und Barnow. Der linke Flügel kam jetze 
rascher vom Fleck und schwenkte zusehends nach Osten ein. Iwanow klammerte 
sich mit dem linken Flügel bei Wlodawa an den Bug, indem er nach Nord-