J64 Der Feldzug im Osten vom 7. Juli bis 13. Nov. 1915
Die Schlachtenfolge zwischen dem Njemen und den
Pripjetsümpfen
Als Brest. Litowst fiel, waren die wichtigsten Truppenverschiebungen
bereits vollendet. Die im Zentrum sich häufenden Kräfte Mackensens flossen
nach den Flügeln ab oder wurden angehalten, und Generalfeldmarschall
v. Mackensen sethzte seinem kleiner werdenden Heer die letzten Ziele. Wäh.
rend die 11. Armee aus der Schlachtlinie schwand und Erzberzog Josef
Ferdinand nach Wolhynien eilte, rückte Emmichs X. Korps von Dubienka
nach Norden. Gleichzeitig nahm die Bugarmee eine Rechtoschwenkung
vor und überschritt die Straße Brest-Litowst— Kowel auf dem Wege nach
Kobryn.
Diese Schwächung des Zentrums ergab sich aus der Ausrichtung der
Front, den räumlichen Verhältnissen und den strategischen Notwendigkeiten.
Troydem ist im Zentrum auf dem Vormarsch in die Wildnis der Rokitno-
sümpfe noch heftig gekämpft worden. Es galt noch gewisse Punkte zu er-
reichen, ohne deren Besetzung die Mitte der Ostfront nicht gesichert gewesen
wäre, und den Druck auf den zähen Feind zu verstärken, bis er sich in die
Abwehr ergab.
Da ein Gegenstoß russischer Kräfte auf Brest-Litowst die weitgeschweifte
Front mit Durchbrechung bedrohte, galt es zunächst, die Verfolgung bis
Dinst fortzuseczen und die Pinsker Landzunge zu sperren, um die Schlachten
auf den Flügeln ungestört ausfechten zu können. Demgemäß segzten sich
Deutsche und Osterreicher nach der Eroberung Brests ohne Säumen in Be-
wegung und drangen am 27. August zu beiden Seiten der Straße Brest—
Kobryn gegen Pinst vor.
Die Kämpfe bei Kobryn
Die Bugarmee rückte südlich der Straße fechtend auf Kobryn. Everths
XXXI. Korps hatte den Rückzug von der Kapajowka bis zuletzt gedecke
und versuchte nun Linsingens Flanke zu bedrohen, versäumte den Augenblick
des Abmarsches auf Kobryn und wurde von Heydebreck überraschend an-
gegriffen und in die Sümpfe gedrängt. Es verkrümelte sich in der Poljesje
und entrann unter Verlusten nach Südosten. Linsingens linker Flügel ging
an der Straße Brest—Kobryn vor, erreichte am 29. August die Gegend
von Kobryn, stieß aber dicht vor dem Orte auf den Widerstand standbereiter
Kräfee. Es war 4 Uhr nachmitktags, von Norden, wo die 11. Armee im
Vorrücken war, schallte schon Gefecheslärm. Dort war die Gardekavallerie
an den Feind geraten.