Auf den äußeren Linien
ie Winterschlacht, die am 21. Februar 1915 in den Wäldern von
Suwalki zu Ende gegangen war, hatte das strategische Gebäude des
russischen Generalstabes stark erschüttert, enthüllte sich aber erst dann als
strategische Wegscheide, als Rußlands Angriffskraft vollends zu erlahmen
begann, der Stellungskrieg auf allen Fronten neue Bedingungen schuf und
die Westmächte angetrieben wurden, dem bedrängten Bundesgenossen im
Osten über Länder und Meere hinweg die Hand zu reichen und eine un-
mittelbare Verbindung auf den äußeren Linien herzustellen.
Der Weg zur unmittelbaren Vereinigung der Frangosen und Eng-
länder mit den Russen führte durch die Dardauellen.
Im Februar 1915 erschienen vor dem Hellespont englische und fran-
hösische Kriegsschiffe, die als Borboten einer großen Unternehmung ausgesandt
waren und Einblick in die Verteidigungswerke der Meerengen zu gewinnen
suchten. Damit bereiteten die Westmächte einen Feldzug vor, der die Krieg-
führung der Entente mit einer großen politischen und einer neuen strategischen
Idce erfüllte.
Oa die Türkei den Hellespont schon zu Beginn des Krieges bedroht
gesehen hatte, waren die Meerengen im September 1914 geschlossen und ihre
Befestigungen in Verteidigungszustand gesetzt worden. Aber obwohl die
Türkei am 29. Oktober mit Rußland in Krieg geraten war und sich seit
dem 3. November auch mit den Westmächten im Kriegszustand befand,
erfolgte während des Winters kein ernster Angriff auf die Dardanellen.
England hatte es vorgezogen, zunächst seine Mittelmeerflanke sicher.
zustellen, und am 4. November der Welt mitgeteilt, daß es Iypern
einverleibt habe und daß die Souveränität Igvptens auf den König von
England übergegangen sei. Zur gleichen Zeit waren englisch-indische
Streitkräfte in den Schatt el Arab eingedrungen, auf dessen braunen
Fluten Kanonenboote gen Basra fuhren, um einem Expeditionskorps
unter dem Befehle General Nixons den Weg zu bereiten. Am 23. No-
vember eroberte Nixon Basra und bißte auf den Mauern der alten
Kalifenskadt den Union Jack. Als er sich kurz darauf bei Korna, im
Mündungswinkel von Euphrat und Tigris, festsetzte, geriet das fruchtbare
Zweistromland und mit ihm der Schlüssel Bagdads in den Bereich der
britischen Macht. Das britische Imperium war damit einem der wich-
tigsten Ziele seiner weltumspannenden Dolikcik nähergekommen.
Die Türkei war in schwieriger Lage, denn Erwer- Pascha, der Gene-
ralissimus des eürkischen Heeres, sah sich genötigt, bei Konstantinopel eine