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dt nicht nachstehen, ferner auf dem rechten Oderufer aus der
Ksee und der Silberwiese und zählt gegenwärtig 236106
Einwohner.
Einwon den öffentlichen Gebäuden sind zu erwähnen das Schloß.
Es ist im italienischen Stile gebaut; die ehemaligen Giebel und
Galerien sind vers wunden. Früher Sitz der Herzöge von Pommern,
#etzt des Oberpräsidiums, der Regierung, des Oberlandesgerichts
und anderer 2 Das Börsengebäude am Heumarkte gehört
u den stattlichsten Gebäuden Stettins; ihm gegenüber liegt das
Rathaus. An alten Gebäuden ist Stettin ärmer als manche kleineren
Städte. Die schönste seiner Kirchen, die alte Marienkirche, wurde
voriges gabrurder eingeäschert und ist wieder aufgebaut; die
Jakobikirche hat in ihrem Baustil nichts Ai esendes, aber der
Turm, einer zerschossenen Fahne ähnlich, gilt für eins der am
weitesten sichtbaren Wahrzeichen.
Das alte Stettin ist schon aus seinem alten Wallgürtel heraus-
gewachsen, und der Zuwachs in der Bevölkerung hat in der Neustadt
und vor den Toren sich ansiedeln müssen. Dieses neue Stettin der
Oberstadt, im strengsten Gegensatz gegen die winkligen, engen Straßen
der wendischen Unterstadt, hat einen modernen Charakter, seine
Straßen un Häuser erinnern an die neuen Stadtteile Berlins.
Seit ungefähr 20 Jahren sind dort hübsche Privat= und stattliche
öffentliche Gebäude entstanden: die Friedrich- ilhelms-Schule, das
Johanniskloster und das Gerichtsgebäude. Als öffentliche Gebäude
sind noch zu nennen: das Postgebäude, das Direktionsgebäude der
Berlin-Stettiner Eisenbahn, die Artilleriekaserne, das Schauspiel-
haus, das Konzert= und Vereinshaus und das Landhaus.
An höheren öffentlichen Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt
drei Gymnasien, zwei Realgymnasien, eine städtische höhere Mädchen-
schule, eine Anstalt für Blödsinnige, ein Taubstummeninstitut, eine
Blinden= und eine Hebammenanstalt und verschiedene andere Stif-
tungen für Hilfsbedürftige.
Stettin ist der Sitz des Oberpräsidenten, der Regierung, des
Oberlandesgerichts, eines Land= und eines Amtsgerichts, des Gene-
ralkommandos des 2. Armeekorps, des Kommandos der 3. Division
und mehrerer Brigadestäbe, einer Reichsbankhauptstelle und
eines Konsistoriums.
Als Handelsplatz ist Stettin von großer Wichtigkeit. Der
Stettiner Handel war in früheren Zeiten mehr Klein= als Groß-
handel, erst mit Vollendung des Swinemünder Hafens, der Ver-
tiefung des Fahrwassers, dem Bau der Eisenbahnen seit kaum
mehr als 30 Jahren, entwickelte sich Stettin zur ersten Handelsstadt
des Zollvereins, und jetzt laufen jährlich 3500 Schiffe in Swine-
münde ein. Holz, Kartoffeln, Zement, Steinkohlen, Eisen, Petro-
leum, Getreide, Wein, Spiritus, SIl, Kolonialwaren und namentlich
Heringe sind die Hauptartikel des Handels.
Vier Brücken mit Zugklappen scheiden die Teile des Hafens.
Oberhalb der neuen Brücke liegen die Oderkähne mit ihren hohen
Schnäbeln, während der Abschnitt des Hafens von der langen zur
Baumbrücke mit den großen Speichern an der Lastadie zum Aus-
und Einladen für die großen Schraubendampfer und Seeschiffe dient.
Unterhalb der Baumbrücke liegen die Dampfer für Reisende mit