Friedrich UI. hane die feste Zuversicht auf einen glücklichen Erfolg des
bevorstehenden Feldzuges, was sich namentlich erwies, als der Herzog Ferdinand
von Braunschweig aufmerksam machte, daß in der Festung Magdeburg manches
noch fehle, was bei einer Belagerung nothwendig sein dürfte; denn er entgegnete
hierauf am 18. März: „So angenehm es mir auch gewesen, daß Ew. Liebden
Mir in Dero Schreiben vom 16ten d. eine Marque von Dero beständiger Affection
für Alles, so meinen Dienst und Interesse concerniren kann, geben wollen;
so kann ich doch Deroselben darauf nicht in Antwort verhalten, wie ich nicht
hoffen will, daß dieselben in einiger Apprehenfion wegen einer Belagerung von
Magdeburg sein werden; allermaßen es dazu kommen sollte, wir zuvörderst Alle
nicht mehr sein müssen.“
Allein auch die Oestreicher hatten stark gerüstet, und obschon weniger
Einheit als bei den Preußen herrschte, so hatten sie doch in Brown einen
erfahrnen und geschickten Führer. Freilich wurde dem Heer ein Theil dieses
Vortheils dadurch geraubt, daß sich der Herzog Karl von Lothringen trotz seiner
frühern militärischen Unfälle mit höchster Vollmacht im Hauptquartiere befand,
und manchen wohlentworfenen Plan der erfahrenen Veteranen durch seine Unfähigkeit
vereitelte.
Gegen das Ende des April drang das preußische Heer in fünf Abtheilungen
nach Böhmen hinein, Schwerin über Trautenau, der Herzog von Bevern
über Zittau, der Prinz Moritz von Dessau über Commotau, der Prinz Heinrich
von Preußen über Neustädtel, und Friedrich selbst auf der großen Straße über
Peterswalde dem hohen Paskopol zu, den er auch glücklich überschritt. Zuerst
begegnete der Herzog von Bevern dem Feinde; mit 16,000 Mann traf er auf
20,000 Oestreicher unter dem Befehl des Grafen Königsegg, der fest verschanzt
bei Reichenberg stand. Trotz aller Vortheile ihrer Stellung und der Uebermacht
wurden die Oesteicher mit dem bedeutenden Verlust von 1800 Mann aus ihren
Schanzen vertrieben. Nach diesem glorreichen Gefechte verband sich der Herzog
mit dem Feldmarschall Schwerin, welcher seinerseits die kaiserlichen Truppen
vor sich hertrieb.
Während dessen war Friedrich II. selbst ohne allen bedeutenden Widerstand
über den Paskopol gelangt; auch die Moldau überschritt er ohne Hinderniß,
ja die Oestreicher versäumten den Angriff auf den König, während er noch
von den übrigen Heerhaufen getrennt war, und auf diese Weise keinen hinreichenden
Widerstand leisten konnte. Brown wollte in der That diesen Umstand
benutzen, doch Karl von Lothringen hielt unüberlegter Weise an seiner
Vorschrift, sich in der Vertheidigung zu halten, fest, und versäumte so den
günstigen Augenblick des Erfolges.
Friedrich II. hatte jetzt sein ganzes Heer in der Nähe von Prag versammelt,
und konnte den Angriff wagen, allein das Unternehmen war immer noch
gewagt, denn die Oestreicher, 70,000 Mann stark, standen in einer sehr festen
Stellung, und Friedrich hatte für den bevorstehenden Kampf nur 64,000 Mann