Volltext : Der Weltkrieg. I. Band. (1)

Eine  Politik  der  mangelnden  Gegengewichte

 

wir  etwa  in  Haidar-Pascha  oder  Alexandrette  bei  irgendeiner
  Gelegenheit  eine  territoriale  Festsetzung  versucht
hätten,  im  Weltkrieg  statt  unser  Verbündeter  unser  Feind
geworden  wäre.  Das  ist  meine  Ansicht  nicht  erst  seit  dem
Weltkrieg.  Ich  erinnere  mich,  die  Auffassung,  daß  insbesondere
  Kiautschou,  aber  auch  andere  Teile  unseres
über  die  Welt  zersplitterten  Kolonialbesitzes,  für  den  Ernstfall
  nicht  Stützpunkte,  sondern  Reibungspunkte  und
Schwächepunkte  darstellten,  schon  im  Jahre  10904  als
junger  Hilfsarbeiter  in  der  Kolonialabteilung  des  Auswärtigen
  Amtes  dem  Fürsten  Bülow  dargelegt  zu  haben.

Dazu  kamen  bei  uns  gewisse  Ungeschicklichkeiten  und
Schroffheiten  in  der  diplomatischen  Taktik  und  in  der
Form  unsrer  Meinungs-  und  Gefühlsäußerungen,  die  im
Ausland  teils  falsch  verstanden,  teils  gegen  uns  ausgenutzt
wurden.  Ich  erwähne  als  Beispiel  unsre  Haltung  auf  der
Haager  Friedenskonferenz  von  1907.  Die  Leiter  der  deutschen
  Politik  und  das  deutsche  Volk  waren  gewiß  mindestens
  von  ebenso  friedlichen  Absichten  beseelt  wie  die
Leiter  der  britischen  Politik  und  das  britische  Volk  oder
irgend  jemand  sonst.  Aber  England  erschien  Arm  in  Arm
ınit  Spanien  und  den  Vereinigten  Staaten  im  weißen  Gewand
  des  Friedensengels  mit  dem  Antrag,  die  Frage  der
Rüstungsbeschränkungen  auf  das  Programm  der  Konferenz
  zu  setzen,  Deutschland  dagegen  erschien  mit  seinem
Einspruch  gegen  diesen  Vorschlag  im  eisernen  Gewand
des  Kriegsgottes.  Ich  bin  mit  dem  Fürsten  Bülow  einig

5”  35