Die Universitäten. 185
Die Absicht war nachzuweisen, dass in unsern bestehenden Univarsitätszuständen
eine grosse Lücke sei, und ein Mittel zu deren Ausfüliung anzugeben.
Beides ist, so darf wohl gehofft werden, erreicht; das Weitere ist
der Zukunft zu überlassen. Nur fragt es sich noch, ob denn nicht auch
in den itzigen Verhältnissen und bis vielleicht einst das ganz Genügende
erreicht werden mag, wenigstens in nothdürftiger Weise das Bedürfniss
einer Nachhülfe zum richtigen Verständnisse der Vorlesungen befriedigt
werden kann? Unzweifelhaft steben bedeutende Schwierigkeiten im Wege,
doch ist immerhin etwas Besseres zu erreichen.
Als fesstehend darf angenommen werden: dass die itzt bestehenden
Seminare den vorliegenden Zweck nicht erfüllen, noch erfüllen sollen; dass die
in der Regel allerdings möglichen Repetitorien und Privatissima theils ebenfalls
zu Anderem, als zu fortwährend nebenher gehender Erläuterung der
Vorlesungen bestimmt, überdiess der Mehrzahl unzugänglich sind; endlich
dass eine an die Professoren gerichtete Anmuthung, ihre eigenen Vorlesungen
durch unmittelbaren Verkehr mit den Zuhörern noch besonders zu erläutern,
zu keinem Ergebnisse führen würde. Unter diesen Umständen muss danıı,
wenn geholfen werden soll, zweierlei geschehen. — Einmal ist eine neue
bisber noch gar nicht bestehende Art des Unterrichtes einzurichten, (Repetitorien,
Conferenzen oder wie immer man sie bezeichnen mag,) welche die
hauptsächlichsten Vorlesungen in passenden Nebenstunden zu erläutern bestimmt
ist, und au welcher sich sämintliche Zuhörer dieser Vorlesungen
gegen ein bestiinmtes ınässiges IIonorar betheiligen können. Die Zahl der
an einer solchen Besprechung Theil Nehmenden muss wohl begränzt sein,
weil sonst der Einzelne zu selten an die Reihe käme; für sehr besuchte
Vorlesungen sind daher mehrere solcher Curse einzurichten, sci es unter
verschiedenen Lehrern, sei es bei denselben zu verschiedener Zeit. Die
Stundenzahl der Repetitionen braucht natürlich der der Vorlesung selbst
nächt gleichzukommen. Die Bestimmung darüber, für welche Vorlesungen ein
Hülfsunterricht einzurichten ist, geht wohl am besten in erster Linie von
der betreffenden Facultät aus; vielleicht kann aber auch die Verpflichtung
zur Gewährung einer solchen Gelegenheit bei nachgewiesenem Verlangen
einer bestimmten Anzahl von Zuhörern (etwa 10—20) ausgesprochen werden.
— Zweitens aber ist für die Lehrer zu sorgen, so gut es unter den bestehenden
Umständen thunlich ist. Auf Betheiliguug von Professoren ist,
wie gesagt, wenig zu rechnen, doch wäre sie natürlich dankbar anzunchıinen,
wenn sie angeboten würde. Eine reichlichere Bezugsquelle werden die Privatdocenten
sein; ob freilich eine inımer und überall genügende stelıt dahin
und hängt wohl hauptsächlich von zufälligen und veränderlichen Umständen
ab. Allerdings werden sie in der Regel nicht abgeneigt sein, den mit dem
Auftrage verbundenen fixen Gehalt und das lIIonorar der Theilnehmenden