Full text : Der Deutsche Reichstag.

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und  damit  eine  breite  Gasse  bildete.  Durch  diese  fuhren  die  Wagen
der  Fürstlichkeiten  und  der  anderen  Mitwirkenden  bei  dem  eben  vollzogenen
  Akt.  Vieltausendstimmig  pflanzten  sich  hier  draußen  jene  Hochs
und  Hurrahs  fort,  mit  denen  die  begeisterte  Volksmenge  den  Kaiser,  die
Kaiserin,  den  Kronprinzen  und  die  Seinen,  den  Kanzler,  den  Grafen
Moltke  grüßte.

Das  war  die  feierliche  Eröffnung  des  ersten  deutschen  Reichstags
am  21.  März  1871,  der  Nord  und  Süd  umfaßte  und  aus  einem
bloßen  Zollparlament  ein  Vollparlament  geworden  war.

Die  Wahlen  zum  ersten  Reichstage  waren  am  3.  März  unter
großer  Beteiligung  der  Wählenden  vollzogen  worden.  Sie  waren  in
Süddeutschland  viel  günstiger  ausgefallen,  als  dies  nach  dem  Ergebnis
der  Zollparlamentswahlen  vom  Jahre  1868  zu  erwarten  gewesen  wäre.
Der  Einfluß  der  großen  Ereignisse  hatte  hier  einen  bedeutenden  Umschwung
  in  den  politischen  Ansichten  der  Bevölkerung  herbeigeführt.  In
Württemberg,  wo  1868  lauter  partikularistische  Abgeordnete  gewählt
worden  waren,  kam  unter  17  Wahlen  nur  eine  einzige  klerikale  oder
großdeutsche,  keine  demokratische  vor;  Baden  sandte  von  14  Abgeordneten
12  nationale  und  nur  2  klerikale,  barunter  den  Bischof  Ketteler  von
Mainz;  Bayern  unter  48  Abgeordneten  29  Liberale  und  19  Klerikale.
Auch  in  Sachsen  hatte  sich  ein  entschiedener  Fortschritt  zum  besseren
gezeigt;  während  in  dem  letzten  Norddeutschen  Reichstag  Sachsen  nur
4  Nationalliberale,  dagegen  7  stark  partikularistisch  Konservative  und
6  Sozialdemokraten  neben  2  Freikonservativen  zählte,  wurden  diesmal
  7  Nationalliberale,  4  sehr  zu  diesen  hinneigende  Konservative,  2
Liberale  von  ähnlicher  Richtung  und  nur  2  Sozialdemokraten  gewählt.
Weniger  günstiger  war  eine  andere  Wahrnehmung,  welche  bei  den  Reichstagswahlen
  gemacht  wurde.  Wie  im  Jahre  1869  die  klerikale  Partei  in
Bayern  alle  Mittel,  erlaubte  und  unerlaubte,  angewandt  hatte,  um  sich
die  Mehrheit  in  der  dortigen  zweiten  Kammer  zu  verschaffen,  so  war
diesmal  diese  Partei  in  Preußen  ungemein  thätig  und  brachte  es  dahin,
daß  während  im  vorigen  Reichstag  nur  8  klerikale  Abgeordnete  aus
Preußen  saßen,  diesmal  36  gewählt  wurden.  Dazu  kamen  noch  etwa
20  Klerikale  aus  Süddeutschland.  Somit  war  diese  Partei  bis  60
Mann  stark,  was  beinahe  ein  Sechstel  der  Gesamtzahl  des  Reichstags
(382)  ausmachte.

Schon  im  November  1870  hatten  die  Wahlen  zum  preußischen  Abgeordnetenhause
  stattgefunden  und  eine  auffallende  Bewegung  zum  Vorschein
  gebracht.  Das  Abgeordnetenhaus  zeigte  sich  in  seiner  neuen
Zusammensetzung  in  konfessioneller  Beziehung  so  verändert,  daß  es  bald