Full text: Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

Treffen bei Wartenburg. 553 
französische Armee hatte sich aufgelöst, und erst jenseit der Elbe konnten 
die Trümmer allmählich wieder gesammelt werden. 
In Folge dieser Siege wurde am 9. September zu Teplitz das 
Bündniß Oesterreichs mit den übrigen Mächten enger geschlossen; auch 
Oesterreich erhielt von England für das laufende Jahr etwa 9 Mill. 
Rthlr. Subsidien. Doch weder sein Feldherr Schwarzenberg mochte 
ungeachtet der ihm zu Gebote stehenden Uebermacht etwas Kühnes 
wagen, noch hatte Napoleon von dem Kronprinzen von Schweden 
etwas zu fürchten, dessen verdächtiges Benehmen nahe an Verrath 
streifte. Sein gefährlichster Gegner blieb der unermüdliche Blücher, 
weshalb er sich dessen vor allem zu entledigen suchte, indem er sich 
mit Uebermacht auf ihn warf. 
Aber Blücher blieb dem zu Trachenberg festgesetzten Kriegsplane 
treu und ließ sich zu keiner Schlacht verleiten. Als Nopoleon sich zu 
Anfang September mit seiner ganzen Macht gegen ihn wandte, zog er 
sich wieder bis zur Neiße zurück; kaum aber war der Kaiser am 6. 
wieder nach Dresden zurückgekehrt, so ging er zum Angriff über und 
trieb Macdonald bis zur Spree. Schwarzenberg hatte inzwischen bei 
dem Zurückweichen des schlesischen Heeres das Erzgebirge überstiegen, 
um Napoleon im Rücken anzugreifen; deshalb wandte sich dieser von 
Blücher gegen das böhmische Heer und rückte bis Kulm vor, kehrte 
aber am 13. September wieder nach Dresden zurück, als ihm die 
Nachricht kam, daß Ney bei Dennewitz geschlagen sei, und daß Mac- 
donald vor Blücher sich zurückziehen müsse. Schwarzenberg war ihm 
gefolgt und hatte den Franzosen empfindliche Verluste beigebracht; 
deshalb wandte sich Napoleon abermals gegen ihn und stieg am 17. 
zum zweitenmal nach Kulm hinunter; die Furcht jedoch, daß das schle- 
sische wie das Nordheer sich auf Dresden werfen möchten, rief ihn schon 
am folgenden Tage wieder dorthin zurück. Diesmal folgte das böh- 
mische Heer nicht, sondern wartete, nach den größten Strapazen der 
Ruhe dringend bedürftig, die Ankunft der 60,000 Mann starken Re- 
serve unter Bennigsen ab, und erst da, als diese am 28. September 
erfolgt war, schickte es sich an, über das Gebirge in die Ebenen von 
Leipzig hinabzusteigen, um sich dort im Rücken des Feindes mit den 
beiden anderen Armeen zu vereinigen. 
Unterdeß hatte Napoleon noch einmal den Versuch gemacht, über 
Blücher herzufallen, dieser war jedoch geschickt dem Stoße ausgewichen. 
Da kehrte der Kaiser abermals zurück und faßte jetzt den Entschluß, 
das ganze rechte Elbufer zu räumen. Blücher's Absicht ging nun 
dahin, durch einen Seitenmarsch nach rechts die Elbe zu gewinnen, 
dieselbe zu überschreiten und sich mit dem Kronprinzen von Schweden 
zu vereinigen, den er zu einem gleichen Manöver zu bewegen gewußt 
hatte. Indem er die Franzosen über seinen Abmarsch täuschte, be- 
wirkte er den Elb-Uebergang am 3. October bei Wartenburg, 
dort wo die Elbe an der Einmündung der schwarzen Elster in scharfem 
Winkel nach Westen umbiegt. Ney, der von der Ankunft des schlesischen 
Heeres keine Ahnung hatte, hielt den dortigen Uebergang durch das