Full text : Blätter für Rechtsanwendung. Ergänzungsband zu Band 54. (54e)

und  Schnüffelei  höchst  unliebsam  bemerkbar.  In  der  Mehrzahl  waren
es  Mackenzies  Kreaturen!

Ich  mußte  nun  Sorge  tragen,  den  Befehl  des  Kaisers  auszu—
führen.  Nachdem  die  Arztie  eine  erste  Untersuchung  vorgenommen
hatten,  berief  ich  sie  zu  einer  vorläufigen  und  dann  zu  einer  endgültigen
  Beratung  zusammen.  Ich  machte  sie  darauf  aufmerksam,  daß
ihre  Urteile  offizielle  Bedeutung  haben  sollten  und  daher  zu  Protokoll
genommen  werden  müßten,  dann  forderte  ich  sie  der  Reihe  nach  —
dem  Alter  entsprechend  —  auf,  ihr  Urteil  abzugeben.  Als  erster
sprach  Mackenzie,  und  zu  meinem  nicht  geringen  Erstaunen  erklärte
er  unumwunden,  daß  mein  Vater  an  Kehlkopfkrebs  litte  und  in
18  Monaten  tot  sei.  Die  anderen  Arzte  schlossen  sich  diesem  einfachen
  Botum  an  und  erklärten  auch  die  völlige  Entfernung  des
Kehlkopfes  jetzt  als  zweifelhaft  für  den  Ausgang,  so  daß  die  Entscheidung
  dem  Kronprinzen  überlassen  werden  müsse,  nur  Dr.  Krause
verklausulierte  sein  Urteil  erheblich.  Darauf  stellte  ich  die  Frage,
wie  lange  wohl  das  Ubel  schon  vorhanden  sei,  um  sich  jetzt  als  in
so  hohem  Grade  entwickelt  zu  zeigen,  und  erhielt  die  Antwort:  mindestens
  sechs  Monate.  Ich  glaubte,  Mackenzie  würde  vor  Scham
vergehen,  aber  sein  Gesicht,  das  ich  genau  beobachtete,  zeigte  nicht
die  geringste  Bewegung.

Nachdem  der  Spruch  der  Arzte  zu  Protokoll  genommen  war,
erhielt  Brofessor  Schrötter  von  seinen  Kollegen  den  Auftrag,  meinem
Vater  über  das  Ergebnis  ihrer  Besprechungen  Bericht  zu  erstatten.
Wir  Kinder  waren  bei  dieser  furchtbaren  Eröffnung  nicht  zugegen,
es  wäre  über  unsere  Kraft  gegangen;  nur  meine  Mutter  stand  dem
geliebten  Gatten  in  dieser  schweren  Stunde  zur  Seste.  Mein  Vater
nahm  sein  Todesurteil  —  denn  das  war  es  —  gleich  einem  Helden
entgegen,  aufrecht,  fest  den  Arzten  ins  Auge  schauend.  Dann  dankte
er  ihnen  in  voller  Ruhe  für  die  Mühe,  die  sie  sich  seinetwegen  gemacht
  hätten.  Die  vorgeschlagene  Operation  lehnte  er  bei  dem  ihm

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