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Der Fall dürfte doch sehr zweifelhaft sein und eine Ent-
scheidung wohl erst dann sich fällen lassen, wenn das Kind bei der
wirklichen Impfung sich immun erwiese.“
Zu diesem Medizinalbericht schreibt Blochmann: „Dieser „amt-
liche“ Bericht enthält also zunächst direbt falsche Angaben, von
denen wenigstens eine von Bedeutung ist. Der Berichterstatter hat.
die Pflicht, zu begründen, was ihm an dem Falle so „sehr
zweifelhaft“ erscheint! Ich erlaube mir aber, ihn darauf hinzuweisen,
daß sogar eine mit Erfolg ausgeführte Impfung die Diagnose
„Bakzine-llebertragung“ nicht erschüttern könnte.“
216. Aus der „Münchener med. Wochenschrift“, 1911, S. 107
und zwar aus dem Bericht des Vereins der Aerzte in Halle a. d. Saale.
a) v. Hippel: Krankendemonstration: Das 5jährige Mädchen zeigt
am linken Auge ein in der Ausbildung begriffenes, großes, über
die Hälfte der Kornea einnehmendes adhärentes Leukom, sowie
einen Verlust fast sämtlicher Zilien des oberen Lides. Bei der
Aufnahme vor 4 Wochen bestand eine schwere Vakzine-Erkrankung
der Lider an beiden Augen mit absolut typischen klinischen Er-
scheinungen. Während des Rückganges derselben trat links am
unteren Hornhautrand ein eitriges Geschwür auf, das Pneumokokken
in Reinkultur enthielt und einen überaus malignen Verlauf zeigte.
Eine Kauterisation war vergeblich, erst Querspaltung brachte es
zum Stehen. Das Kind ist zur üblichen Zeit mit Erfolg geimpft
worden; jetzt ist der Bruder, 4 Wochen vor der Augenerkrankung
der Patientin, geimpft. Die Pusteln sollen noch geeitert haben,
als Patientin erkrankte.
b) Vortragender demonstriert noch die Diapositive von zwei selbst-
beobachteten Fällen schwerster, allgemeiner Vakzineerkrankungen,
in denen im ganzen Gesicht, an der Kopfhaut, sowie am Körper
ausgedehnte, von Blatternnarben nicht unterscheidbare Narben
zurückgeblieben waren. Er machte auf die große praktische Be-
deutung solcher Fälle aufmerksam.
217. (28 ) Nach dem „67. Annual Report of the Registrar-
General in London“ starben im Jahre 1904 in England 28 Personen
infolge der Impfung.
218. Medizinalstatistische Mitteilungen des Kaiserl. Gesundheits-
amtes, Berlin. 1905, S. 109: Arzt Dr. H. in R. impfte am 7. 3. 1904
sein am 12. 4. 1903 geborenes Kind W., welches vollkommen gesund
und kräftig erschien. Die Impfung geschah peinlich aseptisch, (abge-