Contents : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Einundzwanzigster Jahrgang. 1905. (46)

Italien.  (Juni  17.—Dezember  27.)  233

lich  der  Zehnten.  Die  Budgets  sollen  erst  endgültig  werden,  wenn  die
internationale  Kommission,  die  geeignete  Abänderungen  daran  vornehmen
kann,  sie  gebilligt  hat.“  .  ..  Graf  Goluchowski  sei  mit  ihm  darüber  einig,
daß,  wenn  auf  Grund  des  Artikels  3  des  Mürzsteger  Programmes  an  eine
Verwaltungsreorganisation  in  Makedonien  herangetreten  werde,  die  heute
mit  Makedonien  vereinigten  Bezirke,  wo  die  Albanier  überwiegen,  wieder
mit  dem  eigentlichen  Albanien  vereinigt  werden  sollen.

17.  Juni.  (Kammer.)  Schatzminister  Carcano  erklärt,  das
Budget  für  1904/5  werde  mit  einem  Ueberschuß  von  30  Millionen,
das  von  1905/6  mit  einem  Ueberschuß  von  25  Millionen  schließen.

16./23.  Juli.  Bei  den  Kommunal=  und  Provinzialwahlen
erringen  die  vereinigten  Konservativen  und  Katholiken  große  Erfolge.
  In  Mailand  und  Rom  werden  die  Radikalen  und  Sozialisten
  geschlagen.

30.  Juli.  (Kammer.)  In  der  Beratung  der  Eisenbahnvorlage,
  die  die  Zahlung  von  457  Millionen  Lire  an  zu  verstaatlichende
  Eisenbahngesellschaften  enthält,  spricht  die  Kammer  der
Regierung  mit  268  gegen  112  Stimmen  ihr  Vertrauensvotum  aus
und  vertagt  sich.

August.  Österreich-Ungarn  erhebt  Vorstellungen,  daß  der
Kammerpräsident  Marcora  in  einem  Nekrolog  auf  einen  Feldzugsteilnehmer
  von  1866  von  „unserem“  Tirol  gesprochen  hat.  Die
irredentistische  Presse  feiert  diese  Außerung  lebhaft.  Die  italienische
Regierung  bedauert  den  Vorfall  und  versichert,  der  Präfident  habe
keine  irredentistischen  Tendenzen  verfolgt.

16.  August.  Bei  einem  Tumult  in  Granmichele  bei  Katania,
wobei  Militär  eingreift,  werden  13  Arbeiter  erschossen,  über  100
verwundet.

8.  September.  Erdbeben  in  Süditalien.  Mehrere  Dörfer  und
Städte  werden  zerstört.  Üüber  100  Menschen  kommen  um.

21.  Oktober.  (Genua.)  In  Gegenwart  des  Königspaares
wird  der  Grundstein  zu  großen  Erweiterungsbauten  des  Hafens
gelegt.

17.  Dezember.  Die  Kammer  lehnt  den  handelspolitischen
modus  vivendi  mit  Spanien  ab.  Obwohl  sie  gleichzeitig  der  Regierung
  ihr  Vertrauen  ausspricht,  reicht  Ministerpräsident  Fortis
seine  Entlassung  ein.

27.  Dezember.  Folgendes  Kabinett  wird  gebildet:

Fortis  Präsidium  und  Inneres,  Marquis  di  San  Giuliano  Aeußeres,
Finocchiaro-Aprile  Justiz,  Vacchelli  Finanzen,  Carcano  Schatz,  General
Mainoni  d'Intignano  Krieg,  Admiral  Mirabello  Marine,  de  Marinis