Hans gibt einen kurzen Rückblick
Das Regierungsjubiläum des deutschen Kaisers, die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals, die Hochzeit
der deutschen Kaiserstochter mit dem Herzog von Braunschweig, die Wiedervereinigung der Hohenzollern
mit den Staufen, sie brachten kleine dunkle Wölkchen in der äußeren Politik.
Rußland und nicht zuletzt England beschäftigten sich immer mehr und mehr mit dem Gedanken eines
Krieges gegen Deutschland — Österreich — Italien. Ja, als sie in Berlin an der Tafel unseres Kaisers
zu Gaste saßen, da hatten diese beiden Herren Vettern den Kriegsplan doch schon ganz und gar ausgearbeitet
in der Tasche und die beiden Verschwörer tranken sich mit deutschem Weine im deutschen Kaiserhause
auf ein fröhliches Gelingen ihrer Pläne — die Vernichtung Deutschlands — tüchtig zu.
Es stand den beiden Vettern schon damals auf der Stirne geschrieben und der Kuß, den sie dem Kaiser
zum Willkommen geboten hatten, er war der Verräterkuß (Judaskuß).
Wußte es nicht schon jedes Kind, daß der Franzose gerne Elsaß-Lothringen wieder haben möchte und
daß der Russe alle slawischen Völkerteile von Österreich ablösen wollte, koste es was es wolle?
Die erste beste Gelegenheit sollte dazu benutzt werden, doch die Gelegenheit ließ lange auf sich warten!
England sollte als Wucherer- und Krämerseele den Hauptnutzen daraus ziehen. Deshalb war es ja auch
am Zustandekommen der Streitigkeiten am meisten berührt. Spanien und Portugal sollten von England
freundlichst bearbeitet und gewonnen werden. Auf dem Balkan sollten Serben und Montenegriner vereint mit
Russen schlagfertig bereit stehen, und Bulgarien und Rumänien sollten nach bekannten Mustern unschädlich
gemacht werden. — Italien, das dritte im Bunde, sollte so behandelt werden, daß es sich gerne vom Dreiverbande
lossagte.
Es war also auf einen Weltkrieg abgesehen, einen Krieg, in welchen nicht nur ganz Europa, nein die
ganze Welt verwickelt werden sollte. — Deutschland, welches sich kaum die Stellung als europäische Großmacht
erzwungen, sollte einer Übermacht mißgünstiger, eroberungssüchtiger und wortbrüchiger Nachbarn gegenüber
sich mit dem Aufwand seiner inneren Kraft verteidigen müssen und dabei totsicher vernichtet werden.
War es ein Wunder, wenn unser Kaiser, dem Gott die Gnade eines scharfen richtig erfassenden Geistes
verliehen, alles daran setzte, um die Wehrmacht zu stärken und zu vervollkommnen und mit seinen Verbündeten,
sowie dem Thronfolger von Österreich ernste Beratungen hatte!
In Deutschland und Österreich geschah alles mögliche, um mit England auf freundschaftlichem
Fuße zu stehen. Die Verbündeten, Deutschland, Österreich und Italien, waren
bemüht, den Völkern Europa's das höchste kostbarste Gut, den Frieden zu erhalten.
Einerseits waren die feindlichen Mächte stark am Wühlen, sie verhetzten das Volk gegen die Religion,
Thron und Staatsordnung, gegen die Autorität und die Gesetze, gegen die Armee, gegen die Treue zum Vaterland.
Die bekannte sozialistische Führerin, Rosa Luremburg, drohte sogar öffentlich mit einer kommenden
Revolution.
Unser Kaiser aber blieb all' diesen Zuständen gegenüber fest und unerschrocken. Gestärkt mit göttlicher
Kraft hielt er all' den Drohungen und Anfechtungen unerschütterlich Stand und beharrte auf seiner Forderung,
Armee und Flotte kräftig auszubauen. Der schwere Ernst der Gegenwart erfüllte ihn ganz.
Die Frage, ob Weltkrieg, ober Erhaltung des Friedens nach Außen, oder ob Religion und Unordnung
im Innern, machte ihm viele Sorgen. Er wünschte, daß alle kleinlichen Fragen und Streitigkeiten, sowie