Full text : Neues Preussisches Adels-Lexicon. Dritter Band. I-O. (3)

Jurgas.  41

umzingelt,  griff  es,  aus  nngeführ  350  Mann  bestehend,  herzhaft  den
Feind  an,  und  kämpfte  auf  einem  sehr  ungünstigen  Terrain  gegen
die  französische  Division  Beaumont,  bis  es  ganz  uinzingelt  war,  OÖbgleich
  der  Major  v.  J.  im  nächtlichen  Getümmel  einen  Hieb  über  den
Kopf  erhielt,  so  sammelte  er  dennoch  brave  Kameraden,  schirmte
die  Standarte,  schlug  sich  mutbig  durch  die  Feinde  und  erreichte
einen  Wald.  Das  Corps  gelangte  nach  Boitzenburg  und  am  andern  Tage
zu  dem  Corps  des  Prinzen  v.  Hohenlohe,  welches  auch  im  Begriff  war,
das  Gewehr  zu  strecken.  v.  J.  entzog  sich  dieser  Schmach  und  entkam
  noch  einmal  glücklich,  indem  er  zu  dem  Corps  des  Generals  v.
Bila  stiess,  mit  dem  er  nun  doch  endlich  bei  Anklaın  gefangen  wurde.
Nach  dem  Tilsiter  Frieden  lebte  er  bei  seinem  Bruder  zu  Ganzer.
Bei  der  neuen  Formation  erhielt  er  1809  wieder  eine  Anstellung  im
brandenburg.  Kürassierregiment,  zwei  Monate  darauf  ward  er  Comtiskeit

  und  Wachsamkeit  ihn  vorzüglich  eignete.  Im  Jahre  1813  commandirte
  er  als  Oberst  eime  Brigade  in  dem  Corps  seines  vertrauten
Freundes,  des  (damaligen  Generals  v.  Blücher.  Er  focht  tapfer  bei
Gr.  Görschen  und  Bautzen,  und  erhielt  bei  Hainau,.als  er  in  die
feindlichen  Vierecke  einbrach,  einen  Schuss  in  den  Schenkel.  Später
erfocht  er  in  der  Leipziger  Schlacht  (den  16.  Octbr.),  besonders  in
dem  furchtbaren  Kanıyfe  um  Aöckern,  den  glücklichen  Eıfolg  dieses
entscheidenden  Tages,  und  ward  dafür  zum  Generalmajor  erlioben.
In  Frankreich  wurde  er  mit  der  Reserve-Reiterei  an  die  Befehle  des
Prinzen  Wilhelm  gewiesen,  der  den  Vortrab  des  Heeres  führte.  Bei
Lachaussee  traf  er  auf  die  französische  Reiterei  vom  Corps  des  Marschalls
  Macdonald,  warf  sie  über  den  Haufen  und  eroberte  eine  Standarte,
  5  Kanonen  und  die  dazu  gebörigen.  Pulverwagen.  In  der
Schlacht  von  Laon  entriss  er  dem  Feinde  45  Kanonen  und  35  Artilleriewagen,.
  Jar  Jahre  1815  in  der  Schlacht  von  Ligny  leitete  der  Generalinajor
  v.  J.  die  Angrifie  auf  das  Dorf  St.  Amand  la  Haye.  In  der
Naclıt  erhielt  er  in  dem  Getümmel  einen  Schuss  unter  der  linken  Schulter,
  nahe  am  lierzen.  Er  erhielt  darauf  om  Jahre  1816  den  ehrenvollen
  Abschied  als  Generatlieutenant.  Yon  da  an  lebte  er  abwechselnd
in  Berlin  und  bei  seinem  Bruder  zu  Ganzer,  woselbst  er  am  8.  Novbr.
1833  nach  langen  höchst  bittern  körperlichen  Leiden  starb.  Als  besondere
  Anerkennune  seiner  Verdienste  schinückten  den  tapfern  und
erfahrenen  General  ausser  vielen  freinden  Decorationen  der  Orden  port
le  merite,  für  einen  siegreichen  Angriff  auf  die  feindliche  Cavallerie
in  Gefechte  bei  Garossenkrug  am  19.  Octbr.  1812,  und  das  eiserne
Krenz  1.  Klasse  für  die  Schlacht  von  Gr.  Görschen.  Den  Vertdienstorden
  mit  Kıichenlaub  erhielt  er  bei  der  Erfennunzr  zum  Generalma-Jor,
  den  rothen  Adlerorden  ?.  Klasse  für  die  Schlacht  von  Ligny,  und
den  rotlien  Adlerorden  1.  Klasse  bei  seiner  Entlassung.

Hine  Linie  Derer  v.  Jurgas  hatte  sich  auch  nach  Preussen  gewendet.
  Ihr  geliürte  der  Oberst  Johann  Friedrich  v.  Jurgas  an,  der  noch
im  Jahre  1799  Commandant  von  Weichselmünde  war  und  im  Jahre
1860  gestorben  ist.  —  In  Pommern  war  ein  anderer  v.  Wahlen  -  Jurgas
  geboren,  der  bis  zum  Jahre  1306  in  dem  Leibliusarenregiment  als
Oberst  stand,  und  1815  im  Pensionsstande  gestorben  ist,

Die  v.  Jurgas  führen  oder  führten  im  biauen  Schilde  einen  silbernen
  Delphin  mit  rothem  Schwanze  und  rothen  Flossiedern,  und  auf
dein  Heime  ein  silbernes  Meerfräulein,  das  in  der  rechten  Hand  einen
Strauss  brauner  Blumen  an  grünen  Stengeln  hält.  Die  Helindecken
blau  und  silbern.