Metadata : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

—  288  --Die

  übrigen  11Amerikaner  sind  in  unbedeutenden  Stellen  der  siamesischen
  Verwaltung  verstreut.

Die  Vertreter  der  iibrigen  Nationalitäten  befinden  sich  zufällig  im  siamesischen
  Staatsdienst,  ımit  Ausnahme  des  Belgiers  Sheridan,  der  noch  von  der  Zeit
her  im  Dienste  steht,  als  die  Belgier  zur  guten  alten  Zeit  des  Herrn  Jacanemyns
tätigen  Anteil  an  der  Organisation  der  Rechtspflege  in  Siamı  nahmen.

In  die  Liste  sind  die  Namen  zweier  »russischer«  Angestellten  bineingeraten.
  Eine  ist  Lehrerin,  einer  ist  Eisenbahnbeamter.  Die  eratere  ist  der  Gesandtschaft
  bekannt,  der  andere  ist  in  den  Konsularregistern  nicht  eingetragen.

So  merkwürdig  es  ist,  aber  unter  den  Ausländern.  die  in  der  siamesischen
Verwaltung  dienen,  fehlen  die  Japaner  gänzlich.  Die  mit  viel  Reklame  gepriesonen
  Erfolge  der  japanischen  Waffen  in  dem  letzten  Krieg  mit  uns  haben  das
Prestige  Japans  in  Siam  seinerzeit  bedeutend  gehoben  und  sogar  die  Mode
einer  starken  Begeisterung  für  dieses  aufstrebende  l.and  hervorgehracht:  «labei
erwarb  seine  Vertretung  in  Baugkok  zeitweilig  sogar  einen  vorherrschenden  Eintluß
  sowohl  am  Hofe  als  auch  bei  der  öffentlichen  Meinung.  Damals  wurden
japanische  Räte  und  Spezialisten  zum  Eintritt  in  den  siamesischen  Staatsdienst
aufgefordert,  und  an  Stelle  der  englischen  Mädchenschule,  die  geschlossen  hatte,
wurde  unter  dem  Protcektorat  der  Königin  einc  Pension  eröffnet,  in  der  die  Vorsteherin
  und  alle  zehn  Lehrerinnen  Japanerinnen  waren.  Ferner  hatte  man  für
Heer  und  Flotte  geplant,  sich  außer  Material  auch  Instrukteure  aus  Japan  kommen
  zu  lassen.  Das  Ansehen  Japans  in  Siam  wurde  nicht  nur  dureh  seine
kriegerischen  Erfolge,  sondern  auch  durch  das  von  diesem  Lande  mit  den  Engländern
  geschlossene  Bündnis  gefördert.  Sobald  aber  eine  Abkühlung  des  Verhältnisses
  zwischen  den  unnatürlichen  Bundesgenossen  eintrat  und  eine  offene
Konkurrenz  zwischen  den  beiden  Ländern,  die  noch  vor  kurzem  Freunde  waren.
zutage  trat,  kühlten  sich  auch  in  Siam  die  Sympathien  ab.  Den  Siamesen  begannen,
  mit  llilfe  der  Engländer  natürlich,  die  Augen  darüber  aulzugehen,  dab
die  Japaner  «fen  darauf  ausgehen,  das  Land  ausschließlich  zu  eisennützigen
Zwecken  unter  ihren  Einfluß  zu  bringen,  was  durch  das  gewöhnliche  Spionagezystem
  und  die  Intrigen  der  Japaner,  das  hier  wohnende  chinesische  Element
auf  ihre  Seite  zu  bringen,  sefördert  wurde.  Das  Ergebnis  war,  daß  statt  der
Ankunft  japanischer  Instrukteure  und  neuer  Beamten  die  schon  in  Siam  lebenden
  Räte,  Lehrerinnen  und  Spezialisten  nach  Japan  zurückkehren  mußten,  da
ihre  Kontrakte  nach  Ablauf  der  Frist  nieht  ernenert  wurden:  die  einzigen  ernsthaften
  Konkurrenten  Englands  in  Siam  waren  bis  zum  gegenwärtigen  Kriege
die  Deutschen,  (lie  jetzt  vollkonmen  beseitigt  und  von  Briten  ersetzt  sind.

Ich  halte  es  für  meine  Pflicht.  über  die  Beziehungen  der  einzelnen  Nationalitäten
  zueinander  auf  dem  ökonomischen  und  dem  Handelsgebiet  einen  besonderen
  Bericht  einzuaenden,  nachdem  ich  das  entsprechende  Material  gresamımelt
  und  zusammengefaßt  haben  werde.

gez.  J.  Loris-Melikow.

(Rotb.  Heft  II  Nr.  30.)