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Handbuch der Politik. Zweiter Band. (2)

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Bibliographic data

fullscreen: Handbuch der Politik. Zweiter Band. (2)

Multivolume work

Persistent identifier:
handbuch_politik
Title:
Handbuch der Politik.
Place of publication:
Berlin
Document type:
Multivolume work
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1914
DDC Group:
Politik
Copyright:
Ewiger Bund

Volume

Persistent identifier:
handbuch_politik_2
Title:
Handbuch der Politik. Zweiter Band.
Editor:
Laband
Volume count:
2
Place of publication:
Berlin, Leipzig
Publisher:
Dr. Walther Rothschild
Document type:
Volume
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1914
DDC Group:
Politik
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

Chapter

Title:
Siebentes Hauptstück. Die politischen Parteien in Deutschland.
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter

Chapter

Title:
34. Abschnitt. Der Linksliberalismus. Von Conrad Haussmann, M. d. R.. Rechtsanwalt in Stuttgart.
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter

Chapter

Title:
Die Parteigeschichte.
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Politik.
  • Handbuch der Politik. Zweiter Band. (2)
  • Verlagshinweis
  • Inhaltsverzeichnis. Zweiter Band: Die Aufgaben der Politik.
  • short_title_page
  • Siebentes Hauptstück. Die politischen Parteien in Deutschland.
  • 31. Abschnitt.
  • 32. Abschnitt. Die Zentrumspartei. Von Justizrat Dr. Carl Bachem, Cöln (Rhein).
  • 33. Abschnitt. Nationalliberale. Von Ernst Bassermann, M. d. R., Rechtsaowalt in Mannheim.
  • 34. Abschnitt. Der Linksliberalismus. Von Conrad Haussmann, M. d. R.. Rechtsanwalt in Stuttgart.
  • Zeitgeschichtliche Entwicklung.
  • Die Parteigeschichte.
  • Die Parteieinigung des Linksliberalismus.
  • 35. Abschnitt.
  • 36. Abschnitt. Wirtschaftliche Bünde.
  • Achtes Hauptstück. Die öffentlichen Lasten und Schulden.
  • Neuntes Hauptstück: Allgemeine Wirtschaftsfragen.
  • Zehntes Hauptstück. Der öffentliche Verkehr.
  • Elftes Hauptstück: Handel, Geld und Kredit.
  • Zwölftes Hauptstück: Urproduktion und Gewerbebetriebe,

Full text

s Conrad Haussmann, Der Linksliberalismus. 
bedurfte, Furcht und keine Einsicht entgegen. Der Groll über diese Einsichtslosigkeit und jene 
Widerstände schuf den Linksliberalismus, d. h. diejenige Form des Liberalismus, die sich gegen die 
herrschenden Gewalten durchsetzen wollte. Dieser Versuch führte zu dem grossartigen Auf 
schwung von 1848 und scheiterte an dem Mangel organisatorischer Grundlagen und der Schwierig- 
keit, eine noch fehlende politische Erziehung in Zeiten höchster Erregung herbeizuführen. Diese- 
Misserfolg kräftigte die absolutistische Richtung, die es sich deshalb auch nach der Reaktion ger 
statten konnte, scheinkonstitutionelle Zustände einzuführen. Die Ereignisse von 1866 und die- 
Herstellung der politischen Einigung von Nord- und Süddeutschland im Reich leitete die Entwick- 
lung auf eine neue und einheitliche Grundlage. Die Form und Mittel der Einigung mit ihren grossen 
politischen und wirtschaftlichen Wirkungen bedeutete zunächst eine Hemmung für den Links- 
liberalismus, schon weil sie sich unter einem Staatsmann vollzog, der die geschichtlichen Erfolge 
seiner Politik auch zu einer Desorganisation des Liberalismus nutzbar machte. 
' Dies alles erklärt die Schwierigkeit der bisherigen Kämpfe des Linksliberalismus. Dieser 
halbfertige Zustand und das Ausbleiben eines auf die Volksvorstellung wirkenden Erfolgs ist 
eine der Ursachen des zeitweise mächtigen Anschwellens anderer Richtungen, die sich nicht wie 
der Liberalismus vom Mittelpunkt der Staatsidee und des Allgemeinwohles aus orientierten. 
Dalin gehören das konfessionclle Zentrum, die agrarische Richtung, die Sozialdemo- 
kratie, welche die durch die deutsche, wirtschaftliche Entwicklung geschaffene Arbeiterarmee 
unter der Vorstellung des Klassendrucks zu einer Partei der Arbeiterklasse organisiert und ihre 
Anhänger durch die Lohnkämpfe und durch die Ideen des demokratischen Liberalismus, übrigens 
unter gleichzeitiger Bekämpfung desselben, belebt hat. 
ies erschwerte innerlich und äusserlich den Übergang aus halbkonstitutionellen zu konsti- 
tutionellen Zuständen, deren Herbeiführung eine Hauptaufgabe des Linksliberalismus bildet. 
Die Parteigeschichte 
kann im Rahmen dieses Überblicks nur für die Reichstagsparteien skizziert werden 
nicht auch für die Parteien in den Einzelländern, obwohl auch sie für die Parteientwicklung, 
von tiefgreifender Bedeutung waren und noch sind. Die Entwicklung der Parteien vollzieht sich 
naturgemäss parallel mit der politischen und geschichtlichen Entwicklung selbst, die deshalb zur 
Darstellung der Parteigeschichte angezogen werden muss. “ 
Die grösste und älteste der drei linksliberalen Parteien war die „Deutsche Fortschritts- 
Partei“. Sie wurde gegründet 1861, ist 1884 in die „Freisinnige Partei‘ aufgegangen, die sich aus 
der Fortschrittspartei und aus der 1880 durch eine Abzweigung aus der Nationalliberalen Partei 
bervorgegangenen „Secession“‘ gebildet hat. Nach der Lösung dieser Verbindung am 6. Mai 
1892 nahmen die Mitglieder der Deutschen Fortschrittspartei den Namen FreisinnigeVolks- 
partei an, während die aus der „Sezession‘‘ hervorgegangenen Mitglieder der Freisinnigen 
Partei nach deren Spaltung den Namen Freisinnige Vereinigung führten. Beide 
vereinigten sich mit der Deutschen Volkspartei am 6. März 1910 auf Grund eines 
gemeinsamen Programms und Statuts zu der Fortschrittlichen Volkspartei. In 
der Entwicklung der Parteien lassen sich, soweit sie für die Reichspolitik und die Reichstags- 
fraktionen von bestimmender Wichtigkeit wurden, folgende Tatsachen und Abschnitte hervorheben. 
Die Fortschrittspartei war am 18. Juni 1861 gegründet worden. Zu ihren 
Stiftern gehörten die führenden Männer der preussischen Demokratie und des entschiedenen 
Liberalismus: Waldeck, von Hoverbeck, Virchow, Schulze-Delitzsch, von Forckenbeck. Die Partei 
übte einen bedeutenden Einfluss auf den öffentlichen Geist und die politische Erziehung aus, vor 
allem durch die Kämpfe, die sie im preussischen Abgeordnetenhaus zu schlagen hatte. An die 
Spitze ihres Programms stellte sie 1861 das Verlangen nach einer „festen Einigkeit Deutschlands, 
welche ohne eine starke Zentralgewalt in den Händen Preussens und ohne gemeinsame deutsche 
Volksvertretung nicht gedacht werden könne.“ 
Die Partei verfügte 1862 bis 1866 in Verbindung mit der Partei des linken Zentrums über die 
Mehrheit im preussischen Abgeordnetenhaus und führte gegen das Ministerium Bismarck in den 
Konfliktejahren für Aufrechterhaltung der Verfassung, den schweren Kampf, der sich in jener Zeit
	        

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