Volltext : 180 deutsche Musteraufsätze.

2.  Die  Gründe,  aus  welchen  man  sich  in  eine  Gefahr  begeben
kann  —  Pflicht,  Not,  Frevel.

3.  Behauptung  des  Sprichwortes.  —  Widerlegung,  Rechtfertigung.

4.  Sinn  des  Sprichwortes.

5.  Warnung.
Ausführung:
Gefahren  gibt  es  genug  im  Leben,  Gefahren  des  Leibes  und  der
Seele.

Du  gehst  fröhlich  deines  Weges,  eine  giftige  Fliege  sticht  dich,
und  deine  Gesundheit,  ja  dein  Leben  schwebt  in  Gefahr.  Dein  Herz,
deine  Seele  kann  verderbt  werden,  wenn  du  in  unreiner  Gesellschaft
dich  befindest;  denn  böse  Geschwätze  verderben  gute  Sitten.  In
dichen  Fällen  ist  ein  Gut  des  Leibes  oder  der  Seele  bedroht.
Eine  Gefahr  ist  demnach  eine  Lage  des  Lebens,  in  welcher  ein  Gut
des  Leibes  oder  der  Seele  Schaden  erleiden  kann.

Dem  Sprichworte  nach  kann  man  sich  auch  in  solche  begeben.
Die  Gründe  hierzu  sind  verschieden.

Der  Arzt  besucht  einen  Cholerakranken.  Er  kann  den  Anseckungssiof
  in  sich  aufnehmen  und  der  Krankheit  selbst  erliegen.
Der  Soldat  geht  in  die  Schlacht  und  weiß  nicht,  ob  er  wieder
zesung  zurück  *#  Beide,  Arzt  und  Soldat,  müssen  sich  in  Gefahr
egeben  aus  Pflicht.

-P  Der  Schiffbrüchige  sucht  sich  durch  Schwimmen  zu  retten.  Er
begibt  sich  aus  einer  Gefahr  in  die  andere,  und  zwar  aus  Not.
Wenn  aber  ein  Reiter  zwischen  den  Windmühlenflügeln,  die  im
Gange  sind,  hindurchreiten  will,  so  ist  das  Frevel.

Hab  Sprichwort  behauptet  nun,  daß  derjenige,  der  sich  in  Gefahr  begibt,
  auch  darin  umkomme.  Diese  Behauptung  ann  widerlegt  werden.

Der  Arzt  ersüllt  seine  Pflicht  auch  bei  der  größten  Gefahr,  und
die  ansteckende  Krankheit  haftet  nicht  an  ihm.  Der  Soldat  bleibt
auch  im  dichtesten  Kugelregen  unversehrt.  Der  brabe  Mann,  der
die  Zöllnerfamilie  rettete,  vollendete  sein  Werk,  ohne  Schaden

enommen  zu  haben.  Diese  Beispiele  beweisen,  daß  nicht  alle,  die
sch  in  Gefahr  begeben,  auch  darin  umkommen.

Freilich  gibt  es  auch  Fälle,  bei  denen  die  Gefahr  einen  unglücklichen
  Ausgang  nimmt.  Diese  kommen  meistens  bei  solchen  vor,
die  sich  aus  Frevel  in  eine  Gefahr  begeben,  und  auf  diese  findet  das
Sprichwort  seine  volle  Anwendung.

Der  wahre  Sinn  desselben  ist  darum:  Wer  sich  aus  Frevel  in
eine  Gefahr  begibt,  kann  darin  leicht  umkommen  oder  doch  wenigstens
Schaden  erleiden.

In  diesem  Sinne  liegt  nun  aber  auch  die  Warnung,  sich  nicht
ohne  Beruf  oder  Pflicht  in  eine  Gefahr  zu  begeben.

156.  Morgenstunde  hat  Gold  im  Munde.

Gedankengang:
I.  Einleitung:  Die  Sprichwörter  nach  Inhalt  und  Form.
II.  Ausführung:
1.  Erklärung  des  bildlichen  Ausdruckes.