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kunde verpflichtet ist. Diese Frage wurde von den Versicherungsgesetzen
nicht geregelt und konnte von ihnen nicht geregelt
werden, wenn man nicht gar noch das Erforderniss einer —
gleichfalls kostenlos auszustellenden — polizeilichen oder sonst
amtlichen Bescheinigung über die Nothwendigkeit der pfarramtlichen
Urkunde einschieben wollte®. Man wird also nur, entsprechend
dem Umstande, dass den erwähnten Gesetzesbestimmungen
eine den Versicherten freundliche®® Tendenz zu Grunde
liegt, sagen dürfen, dass die Geistlichen in Zweifelsfällen eher
eine milde Praxis handhaben sollen.
2. Feiertage.
Die kirchlichen — zugleich aber auch die allgemeinen, staatlich
anerkannten weltlichen — Feiertage sind auch für die Arbeiterversicherung
von grosser Bedeutung: im gesammten Reichsversicherungsrecht
und ganz besonders im Krankenversicherungsrecht.
Für das gesammte Reichsversicherungsrecht kommen
die Feiertage in Betracht bei Berechnung der Fristen. Denn wenn
das Ende einer Frist auf einen (Sonntag oder) allgemeinen Feiertag
fällt, so endet die Frist nicht an diesem Sonn- oder Feiertage, sondern
erst mit Ablauf des nächstfolgenden Werktages. Zwar ist
es nur das Krankenversicherungsgesetz, welches (übrigens erst in
67 Vgl. wegen des obrigkeitlichen Zeugnisses, das dem Gesuche um Bewilligung
des Armenrechts beizufügen ist, Civilprozessordnung $ 109II
(Strafprozessordnung $ 419III).
# Freilich können diejenigen Rechtsverhältnisse, über welche Streit
herrscht, im Einzelfalle auch so liegen, dass die Urkunde zu Ungunsten
des Versicherten beweisen soll, z. B. wenn die Invaliditäts- und Altersversicherungsanstalt
einem Kleinmeister die Möglichkeit freiwilliger Versicherung
bestreitet auf Grund eines Taufscheines, nach welchem er bereits über -
40 Jahre alt ist, oder wenn die Krankenkasse den Kassenbeitrag nach der
für Erwachsene aufgestellten Stufe des Tagelohns bemessen will auf Grund
eines Taufscheines, nach welchem der Versicherte nicht mehr zu den „jugendlichen“
Arbeitern gehört.