Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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verwerflich  und  unheilbringend  für  das  Fortbestehen  des  gemeinsamen  Vaterlandes.
  In  Bezug  auf  das  gemeine  Wohl  konnte  man  bei  einer  Wahl  zwischen
Wenzel,  Jobst  und  Siegmund  keinen  Augenblick  schwanken.

Die  Vorsehung  ersparte  dem  schon  schwer  genug  heimgesuchten  Deutschland
  einen  neuen  Bürgerkrieg,  denn  Jobst  starb  schon  am  17.  Januar  des
solgenden  Jahres.  Dies  war  für  Siegmund  ein  doppelter  Glücksfall,  denn
einerseits  war  nun  der  von  der  Mehrzahl  der  Kurfürsten  geförderte  Nebenbuhler
beseitigt,  und  dann  hatte  er  durch  den  Heimfall  der  verpfändeten  Mark  als
berechtigter  Erbherr  Land  und  Kurstimme  zurück  erhalten.  Es  blieb  ihm  nur
noch  die  weit  geringere  Sorge,  den  Bruder  zu  beschwichtigen,  welcher  durchaus
unfähig,  selbst  eine  politische  Rolle  zu  spielen,  außerdem  durch  die  Mitwirkung
bei  der  Wahl  des  Markgrafen  von  Mähren  jegliche  Absicht  auf  persönliches
Eingreifen  in  die  Regierungsangelegenheiten  Deutschlands  entsagt  zu  haben  schien.
Hier  bedurfte  es  nur  noch  diplomatischer  Verhandlungen,  denen  sich  wiederum
der  treue  Rathgeber  des  Königs,  Burggraf  Friedrich,  und  zwar  mit  nicht  minderem
  Erfolge,  unterzog.  Am  9.  Juli  1411  ward  ein  Vergleich  geschlossen,
nach  welchem  Wenzel  die  Reichsregierung  und  die  Königswürde  seinem
Bruder  Siegmund  zugestand,  mit  dem  Vorbehalt  der  Kaiserwürde,  zu  deren
Erlangung  Siegmund  und  seine  Anhänger  ihre  Mitwirkung  versprechen  mußten.
Nun  konnte  sich  ohne  Bedenken  für  den  Erfolg  Siegmund  einer  Neuwahl  aussetzen;
  sie  erfolgte  unverzüglich,  und  ohne  daß  eine  einzige  Stimme  sich  gegen
ihn  erklärte.

Nach  der  glücklichen  Beendigung  dieses  wichtigen  Geschäftes  blieb  dem
Könige  nur  noch  eine  Sorge,  nämlich  für  die  durch  den  Tod  des  Markgrafen
Jobst  an  ihn  heimgefallene  Mark  Brandenburg.  Dies  während  der  letzten  Zeit
aus  mannigfachen  Gründen  hart  mitgenommene  und  zerrüttete,  ehemals  so
bedeutende  Reichslehen,  selbst  unter  seine  Verwaltung  zu  nehmen,  war  dem
König  Siegmund  durchaus  unmöglich,  da  theilweis  das  Königreich  Ungarn,  vor
allem  aber  Deutschland,  um  dessen  Herrscherthron  er  sich  mit  so  keckem  Sinn
beworben,  und  für  welches  er  natürlich,  um  seinen  inneren  Beruf  zu  bekunden,
sofort  erhebliche  Anstrengungen  machen  mußte,  alle  seine  Kräfte  in  Anspruch
nahmen.  Es  blieb  ihm  also  nichts  übrig,  als  einen  zuverlässigen  Stellvertreter
in  das  wiedererworbene  Land  zu  senden;  und  wer  konnte  zu  diesem  Zwecke
tüchtiger  erscheinen,  als  der  Mann,  welcher  ihm  schon  zur  Erlangung  von  zwei
Kronen  behülflich  gewesen  war.  Deshalb  wurde  Burggraf  Friedrich  zum  Hauptmann
  der  Mark  Brandenburg  und  Stellvertreter  des  Königs  ernannt.