Volltext : Die Reichsbank 1901-1925. (2)

Die  Reichsbank  vom  Kriegsende  bis  zur  Stabilisierung  der  Mark  (1918—1923)  119

derjenigen  zu  1000  Mark,  herangezogen.  Die  Zahl  dieser  privaten  Anstalten  belief
sich  am  Jahresende  auf  26,  die  täglich  Notenmengen  in  Höhe  von  17  bis  18  Milliarden
  Mark  zur  Ablieferung  brachten.  Die  auf  den  Notendruck  bezüglichen
technischen  Maßnahmen  bewegten  sich  in  der  Richtung  einer  Vereinfachung  sowie
Beschleunigung  des  Herstellungsverfahrens  und  der  Schaffung  neuer  dem  gesunkenen
  Geldwert  angepaßter  Notenabschnitte.

Zwecks  Vereinfachung  des  Druckverfahrens  erschien  es  angebracht,  das
zeitraubende  Kupferdruckverfahren  mehr  und  mehr  durch  den  technisch  einfacheren,
  aber  infolge  neuer  Methoden  einen  hervorragenden  Schutz  gegen  Nachahmungen
  bietenden  Buch=  und  Farbendruck  zu  ersetzen.

Das  Kupferdruckverfahren  war  bis  zum  Beginn  des  Weltkrieges  fast  ausschließlich
  angewendet  worden.  Diese  Druckart,  die  zwar  erheblich  teurer  und
zeitraubender  als  das  Buchdruckverfahren  war,  ermöglichte  es,  den  Noten
eine  gewisse  Gediegenheit  in  der  Ausstattung  zu  geben  und  durch  Wiedergabe
zeichnerischer  Feinheiten  jedes  Stück  zu  einem  kleinen  graphischen  Kunsterzeugnis
zu  gestalten.  Der  einprägsame  ornamentalische  Schmuck  (Bildnisse  und
Guillochen)  sowie  die  tiefen,  satten  Farben  gewährten  in  Verbindung  mit  den  in
Papier  eingebetteten  farbigen  Pflanzenfasern,  dem  Kopfwasserzeichen,  der
Riffelung  und  anderen  Sicherungen  einen  bedeutsamen  Schutz  gegen  Nachahmungen.
  Bei  der  Herstellung  der  Banknoten  über  100  Mark  (V.  Ausgabe)
wirkte  überdies  verteuernd  der  Umstand,  daß  das  zu  den  Noten  erforderliche
Papier  nach  dem  ältesten  Papierbereitungsverfahren  an  der  Bütte  mit  der  Hand
geschöpft  und  weiterbearbeitet  werden  mußte.  Dazu  waren  neben  dem  geübten
Personal  eine  Reihe  besonderer  Einrichtungen  nötig.

Der  übergang  vom  Kupferdruck  zum  Buchdruck  vollzog  sich  nach  und  nach.
In  der  ersten  Kriegszeit  wurde  z.  B.  bei  den  Darlehnskassenscheinen  die  Vorderseite
  zunächst  noch  in  Kupferdruck,  die  Rückseite  jedoch  schon  in  Buchdruck  ausgeführt.
  Der  steigende  Zahlungsmittelbedarf  zwang  dann  dazu,  die  kleinen
Werte  nur  noch  in  Buchdruck,  die  höheren  in  Kupferdruck  oder  durch  Kombination
beider  Verfahren  herzustellen.  Einen  weiteren  Übergang  zum  reinen  Buchdruck
bildeten  die  Noten  zu  10  Mark  (von  Marcus  Behmer)  und  zu  100  Mark  (von
Prof.  Hadank),  die  1921  in  den  Verkehr  kamen.

Die  stetig  fortschreitende  Inflation  zwang  schließlich  im  Frühjahr
  1922  zur  völligen  Einstellung  des  kostspieligen  und  langsam  arbeitenden
Kupferdrucks.  Den  erhöhten  Anforderungen  blieben  lediglich  die  Buchdruckschnellpressen
  und  die  Rotationsmaschinen  gewachsen.  Das  Papier  wurde