Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Erster Band. (1)

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war  in  Rottweil  der  33-jährige  Restaurateur  der  Pulverfabrik,  welcher  als  Soldat  mit
Erfolg  wiedergeimpft  worden  war,  erkrankt,  bald  darauf  erkrankte  in  Cannstatt  ein
nur  einmal  als  Kind  geimpfter,  29-jähriger  Tagelöhner  und  demnächst  ebendaselbst
eine  52-jährige  Frau,  welche  vor  34  Jahren  mit  Erfolg,  vor  30  Jahren  ohne  Erfolg
wiedergeimpft  war.  Alle  Fälle  verliefen  leicht,  bei  den  wiedergeimpften  Personen  in
12  bis  14,  bei  dem  nur  einmal  als  Kind  geimpften  Tagelöhner  in  25  Tagen.

In  Baden  sind  während  der  ersten  beiden  Monate  des  Jahres  18  Pockenfälle  in
2  Ortschaften  des  Bezirksamtes  Lörrach  beobachtet,  denen  während  des  Oktober  in  einer
dritten  Ortschaft  desselben  Bezirksamtes  2  weitere  folgten.

Die  erste  bereits  im  Dezember  1889  begonnene  Erkrankung  betraf  die  43-jährige,
nie  wiedergeimpfte  Frau  eines  in  Basel  arbeitenden  Fabrikarbeiters  zu  Istein.  Die
Ansteckung  war  nach  Ansicht  des  Bezirksarztes  von  Basel  her  erfolgt.  (Sicherer
Nachweis  war  nicht  möglich.)  Darauf  starb  das  kurz  vor  der  Erkrankung  geborene,
ungeimpfte  Kind  dieser  Frau  an  den  Pocken,  und  erkranften  dann  noch  15  Personen
zu  Istein,  welche  theils  Verwandte  der  Frau,  theils  Besucher  des  Hauses  waren.  Endlich
hatte  sich  die  ungeimpfte,  54-jährige  Schwester  eines  Erkrankten,  welche  in  Huttingen
wohnte,  ebenfalls  bei  einem  Besuche  angesteckt  und  wurde  von  den  Pocken  befallen.  Die
Altersverhältnisse  der  Erkrankten  ergeben  sich  aus  folgender  Uebersicht:

Von  den  18  Pockenkranken  standen  im

1.  Lebensjahre  2  ungeimpfte  Kinder  (Verlauf  1mal  tödtlich,  1mal  schwer),
3.  »  1  geimpftes  Kind’)  (Verlauf  ganz  leicht),
30.—40  »  Personen(Bulauslmallctcht11nalfch1oe1),
41.—50.»  2»(»1»»1»»),
51.—60.  r*P“  6  5*“  (  «  l  «  «  5  “  »  )«
61.-77.  »  5  „  (  2),  tödtlich,  1  „  leicht).

Wiedergeimpft  war  von  diesen  18  Erkrankten  nur  eine  Person,  ein  65-jähriger
Landwirth,  welcher  als  Soldat  mit  Erfolg  wiedergeimpft  zu  sein  angab.  Die  Erkrankung
desselben  verlief  leicht.

Die  beiden  im  Oktober  zu  Wyhlen  (Bez.-Amt  Lörrach)  beobachteten  Pockenfälle
betrafen  2  gleichgeitig  erkrankte  Kinder  eines  Steinbrechers,  deren  Ansteckung  wahrscheinlich
durch  eine  im  Kanton  Basel-Land  verkehrende  Person  erfolgt  war.  Das  ungeimpfte
Kind  war  schwer  erkrankt,  das  andere,  vor  3⅛½  Jahren  geimpfte  Kind  mit  1  deutlichen
und  2  undentlichen  Impfnarben  war  leicht  erkrankt  und  hatte  nur  „wenige  Blattern“.

Eine  vereinzelte  Erkrankung  an  den  Pocken  im  Herzogthum  Braunschweig  betraf
im  September  ein  24  -jähriges,  bei  einem  Gastwirthe  zu  Hasselfelde  in  Dienst  stehendes
Mädchen.  Dasselbe  war  Zmal  ohne  Erfolg  wiedergeimpft,  zuletzt  vor  10  Jahren,  die
Erkrankung  verlief  leicht,  eine  Quelle  der  Ansteckung  wurde  nicht  ermittelt.

In  Lübeck  und  Hamburg  kamen  3  mit  einander  zusammenhängende,  leichte
Pockenfälle  zur  Beobachtung.  Die  Frau  eines  Thierbändigers  war  in  Hamburg  aus
Lissabon  pockenkrank  zugereist,  die  Erkrankung  der  Behörde  aber  erst  nach  11  Tagen
gemeldet.  Ehe  die  Aufnahme  ins  Krankenhaus  erfolgte,  war  die  Kranke  von  ihrer  aus
Lübeck  kommenden  Mutter  besucht  worden,  worauf  die  Mutter,  genau  12  Tage  nach
dem  Besuche,  ebenfalls  an  den  Pocken  erkrankte.  Der  bei  der  Mutter  lebende  39-jährige
Sohn  wurde  zwar  alsbald  wiedergeimpft,  erkrankte  aber  doch  14  Tage  nach  der  Mutter

*)  Der  Fall  ist  nach  Erklärung  des  Arzles  kaum  als  Blattern  zu  rechnen;  es  zeigten  sich  uur  4  kleine
undeutliche  Pusteln  am  Rücken,  das  Kind  war  wenige  Tage  hindurch  „unwohl“.