394 Siebentes Kapitel.
lung. Denn schon am 11. Juni beantragte sterreich bei dem Bundestage
die Mlobilmachung sämtlicher nichtpreußischen Kontingente, um gegen
die von Hreußen in Schleswig-Bolstein geübte „gewaltsame Selbsthilfe"
einzuschreiten und den Bundesfrieden wiederherzustellen. Und so eilig
hatten es Esterreich und seine Freunde damit, daß der Antrag schon auf
den 14. Juni zur Derhandlung angesetzt wurde. zede bundesrechtliche
Grundlage fehlte ihm. Der preußische Bundestagsgesandte von Savigny
legte daher Derwahrung gegen die augenfällige perletzung der durch die
Bundesverfassung vorgeschriebenen Formen ein und enthielt sich der Abstimmung.
Das Ergebnis derselben war, daß nur eine Minorität von
fünf Stimmen dem Antrage Esterreichs entgegentrat. Da erhob sich
Savigny, erklärte im Namen seines Königs durch den gefaßten Beschluß
den Bundesvertrag für gebrochen und damit den Deutschen Bund für
aufgelöst und verließ die BZundesversammlung.
Unverweilt zeigte Hreußen jetzt den europäischen Mächten an, daß
der bisherige Deutsche Zund seit dem 1d. Juni aufgehört habe zu besteheen.
Allein die öffentliche Meinung war durchaus nicht für Hreußen.
Bei den Regierungen galt als sicher, daß Dreußen, wenn es nicht noch
einlenke, unterliegen müsse, da Gsterreich nicht weniger als 800000 Mann
ins Feld stellen wolle. Aber auch der Nationalverein, in dem freilich
die Fortschrittspartei das große Wort führte, legte Hrotest gegen den
Ausbruch des Krieges ein und verwarf das preußische Zundesreformprojekt.
Besonders kriegerisch war die Bevölkerung Süddeutschlands gestimmt:
kriegslustig drohten sie Hreußen mit ihrem Einmarsche. Selbst
der treffliche Großherzog von Baden, König Wilbelms Schwiegersohn,
wurde durch die allgemeine Stimmung in seinem TLande auf die Seite
Gsterreichs gedrängt.
Anders dagegen wirkte in Hreußen selbst der rasche Derlauf der
Dinge. Das energische Auftreten des Königs war von tiefer Wirkung;
unter dem Eindrucke der ersten kriegerischen Ereignisse fanden die Tieuwahlen
zu dem im Februar aufgelösten Abgeordnetenhause statt. Das
Ergebnis zeigte, daß das preußische Dolk von der Fortschrittspartei sich
abwandte und eine starke Mehrheit von Männern der gemäßigten
Darteien in den Landtag sandte, die bereit war, mit der Regierung über
die Armeereorganisation Frieden zu schließen.
SPo sehr den König die Beflissenheit schmerzte, mit welcher der
Bundestag ohne eine Untersuchung, ohne eine rechtliche Entscheidung, wie
die Bundesverfassung sie doch vorschrieb, die Mobilmachung, welche gegen
Bundesglieder gar nicht statthaft war, gegen Hreußen beschloß: so lag