Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Neunter Jahrgang. 1893. (34)

84  Unser  Kaiser.

„Und  ob!“

Nun,  dann  will  ich  Ihnen  mal  mit  den  Absätzen  fortwährend

  auf  Ihren  Hühneraugen  herumtreten.  Was  machen
Sie  dann?

„Dann  haue  ich.“
Dann  haben  Sie  aber  angefangen!
Einige  Augenblicke  sah  er  mich  wortlos  an,  als  ob  ihm

ein  neuer  Gedanke  dämmerte.  Dann  sagte  er  gedehnt:  „Ja,
wenn  Sie  soooo  meinen?“

Ja,  soooo  meine  ich.

Das  Kaiserpaar  freute  sich  an  dem,  was  ich  von  unserer
verstorbenen  Frau  Polizeipräsident  von  Glasenapp  erzählte,
deren  Mann  bei  Ausbruch  der  Revolution  Kriegs-Polizeipräfekt
von  Warschau  gewesen  war.  In  Cöln  hatte  die  Revolution
pünktlich  mit  ihren  gewöhnlichen  Außerungen  eingesetzt:  alles
fing  an  zu  stehlen.  Ganz  Cöln  schien  eine  Diebeshöhle
geworden.  Die  zwei  Dutzend  Verbrecher  in  Marineuniform
kamen,  wie  schon  vorher  hier  bekannt  war,  aus  Kiel.  Anstatt
ihnen,  wie  sich's  gehörte,  einen  Zug  treuer  Soldaten  mit
einem  Maschinengewehr  an  den  Bahnhof  entgegen  zu  schicken,
um  sie  zu  erledigen,  setzte  sich  der  tapfere  Gouverneur  Krug
schleunigst  in  den  Schnellzug  und  verduftete.  Die  erste  befreiende
  Tat  der  Kieler  Revolutionäre  war,  daß  sie  die  Zuchthäuser
  gewaltsam  öffneten  und  die  Zuchthäusler,  ihre  würdigen
  Kumpane,  auf  die  Stadt  losließen.  Diese  plünderten
die  Warenhäuser,  holten  sich  dort  die  schönsten  Kleider  und
hörten  dann  eine  flammende  Freiheitsrede  an,  die  der  sozialdemokratische

  Reichstagsabgeordnete  Sollmann  auf  dem  Neumarkt
  hielt.