Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

                                            —  642  —

barei  entreißen  konnten.  Es  ist  ein  grausames  Geschick,  dem  wir  uns  im
letzten  Augenblick  unterworfen  haben.  Der  General  Joffre  ist  zum  Marschall
  von  Frankreich  ernannt  worden.  Das  Heer  des  Generals  v.  Kluck,
80  000  Mann,  ist  kriegsgefangen.  Der  General  Calieri  hat  die  deutsche
Nordarmee  gefangen  genommen.  Die  französischen  Truppen  marschieren
zum  Entsatz  von  Antwerpen  heran.  Sie  haben  zwei  Forts  an  der  belgischen
  Grenze  nahe  von  Sedan  genommen.  Die  Deutschen  haben  die
Belagerung  der  Front  bei  Verdun  aufgeben  müssen.  Die  Franzosen  sind
in  Zabern  und  schlagen  sich  im  Hohwald.  Die  Deutschen  haben  am
Sonntag  22  Zufuhrkolonnen  verloren  und  Sennheim  geräumt.  Man  behauptet,
  daß  der  deutsche  Kronprinz  gefangen  sei.  Die  Deutschen  sind  bei
Sedan  geschlagen,  40  000  Mann  getötet  und  verwundet.  Zu  gleicher  Zeit
haben  sie  sich  vor  Toul  in  großer  Panik  zurückgezogen  und  gehen  auf
Metz  zurück.  (Tägl.  Rundsch.,  23.  Oktober.)

                                Die  Kämpfe  bei  Przemysl.
                                 3400  Russen  gefangen.
                         Die  Oesterreicher  in  Czernowitz.

Wien.  22.  Oktober.  Amtlich  wird  gemeldet:  22.  Oktober,  mittags:
In  der  Schlacht  beiderseits  des  Strwiaz  gelang  es  uns,  nun  auch  im
Raum  südlich  dieses  Flusses  den  Angriff  vorwärts  zu  tragen.  Auf  der
beherrschenden  trigonometrischen  Höhe  668  südöstlich  Stary  Sambor
wurden  zwei  hintereinander  liegende  Verteidigungsstellungen  des
Feindes  genommen.  Nordwestlich  des  genannten  Ortes  gelangte  unsere
Gefechtslinie  näher  an  die  Chaussee  nach  Starasol  heran.  Nach  den  bisherigen
  Meldungen  wurden  in  den  letzten  Kämpfen  3400  Russen,  darunter
25  Offiziere,  gefangen  genommen  und  fünfzehn  Maschinengewehre  erbeutet.
  In  Czernowitz  sind  unsere  Vortruppen  eingerückt.
                  Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes.

                                                    v.  Hoefer,  Generalmajor.

                        Ein  Elückwunsch  für  General  von  Beseler.

Der  Befehlshaber  der  Belagerungstruppen  von  Antwerpen,  General
der  Infanterie  v.  Beseler,  erhielt  folgendes  Telegramm:
„Ein  tausendfaches  treudeutsches  Heil  dem  verbündeten  Bezwinger
Antwerpens.  Für  die  deutsche  Arbeiterpartei  Oesterreichs:  Pulz.
Liesing.
e  v.  Beseler  antwortete:  Herzlichen  Dank  für  freundlichen
Glückwunsch  und  deutschen  Gruß.  Ich  bin  stolz  auf  die  erfolgreiche  Mitwirkung
  tapferer  österreichischer  Krieger  beim  Kampf  um  Antwerpen.

                                                                                            (W.  T.  B.)
                               Portugal  besinnt  sich.

                                                                                 Wien,  23.  Oktober.
Nach  diplomatischen  Informationen  aus  Lissabon  setzen  sich  dort  einflußreiche
  Politiker  für  Aufrechterhaltung  der  Neutralität  Portugals  ein,
und  es  soll  Aussicht  vorhanden  sein,  daß  ihre  Bemühungen  Erfolg  haben

werden.

London,  22.  Oktober.  (W.T.B.)  „Daily  Chronicle“  meldet:  Die
kürzlich  umlaufenden  Gerüchte  von  einer  bevorstehenden  Einmischung