Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

                                         —669        —                                                                          einem  Gefecht  bei  Kissenji  am  Kiwusee  durch  die  Deutschen  eine  vollständige
  Niederlage  erlitten.

Kissenji  liegt  hart  an  der  Grenze  des  Kongostaates  auf  deutschem
Gebiet.  Offenbar  hat  hier  eine  belgische  Truppe  in  unser  Schutzgebiet  einzudringen
  versucht.  Durch  die  Wachsamkeit  unserer  Schutztruppe  ist  der
Einfall  siegreich  zurückgewiesen  worden.


                    Eine  deutsche  Proklamation  an  die  Buren.

Rotterdam,,  29.  Oktober.  Der  Burengeneral  Maritz  zeigte  seinen
Leuten  folgende  Proklamation  des  kaiserlichen  Gouverneurs  von  Deutsch-Südwestafrika
  vom  10.  Oktober,  ausgegeben  in  Windhuk,  vor:  „Englische
Truppen  haben  Ramanedrift  besetzt  und  damit  den  europäischen  Krieg
nach  Südafrika  getragen.  Ich  erkläre  nachdrücklich,  die  Deutschen  kämpfen
nicht  gegen  die  holländischen  Einwohner  von  Südafrika.  Im  Gegenteil,
sie  haben  alle  Maßnahmen  getroffen,  den  englischen  Angriffen  an  allen
Punkten  zu  begegnen,  und  sie  werden  den  Krieg  gegen  die  Engländer,
und  nur  gegen  die  Engländer  bis  zum  äußersten  auskämpfen.“

                                                       (Berliner  Tageblatt,  29.  Okt.)

Amsterdam,  29.  Oktober.  Der  „Telegraaf“  meldet  aus  London:
Die  letzten  Berichte  aus  Südwestafrika  lauten  sehr  ungünstig.  Es  scheint,
daß  der  General  Dewet  gegen  Botha  Partei  genommen  hat,  während
man  in  London  sich  über  die  Haltung  vieler  anderer  einflußreicher  Mitglieder
  der  Partei  des  Generals  Herzog  viel  Sorge  macht.  Gerüchten  zufolge
  sollen  verschiedene  hohe  englische  Beamte  durch  die  aufständischen
Buren  gefangen  genommen  sein.

                              Für  die  Wahrhaftigkeit.

W.T.  B.  Stockholm,  28.  Oktober.  Aus  Anlaß  eines  Telegramms,
daß  das  „Preßbureau“  der  englischen  Regierung  der  neutralen  Presse
über  die  finanzielle  Lage  Englands  und  Deutschlands  geschickt  hat,  schreibt
Professor  Cassel  nochmals  in  „Svenska  Dagbladet“  einen  Leitartikel,
worin  er  sagt,  er  halte  sich  verpflichtet,  im  Namen  der  Gerechtigkeit  gegen
blche  unzuverlässige  Informationstätigkeit  zu  protestieren.  Er  führt

ann  aus:

Das  offizielle  Telegramm  des  obengenannten  Preßbureaus  sagte
unter  anderem:  „Der  Wechselkurs  für  Mark  ist  bereits  um  4  Prozent  in
Neuyork  gefallen,  was  zeigt,  daß  die  Meinung  der  Neuyorker
Börse  über  die  deutsche  Zahlungsfähigkeit  gut  unterrichtet  ist.  Die  mit
großer  Reklame  in  Szene  gesetzte  deutsche  innere  Anleihe  ist  nur  durch
die  Sparkassen  gedeckt  worden,  die  von  der  Regierung  gezwungen  wurden,
25  Prozent  ihrer  Depositen  an  die  Regierungsfonds  zu  übertragen.“
Cassel  stellt  sest,  daß  die  natürliche  Tatsache,  daß  die  Markkurse  in  Neuyork
  gefallen  sind,  keineswegs  bedeute,  daß  Neuyork  das
Vertrauen  zur  deutschen  Zahlungsfähigkeit  verloren  habe.  Gerade
  wie  niemand  behaupten  könnte,  daß  zum  Beispiel  Schweden  das
Vertrauen  zur  russischen  Valuta  verloren  habe,  obgleich  der  Rubel  mehr
als  die  Mark  gefallen  sei,  und  doch  sei  die  Mark  auch  in  Stockholm  unter
pari.  Der  Verfasser  meint,  das  offizielle  Preßbureau  sollte  es  für  unter
seiner  Würde  halten,  solche  irreführenden  Darstellungen  zu  verbreiten.