Full text: der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

— 701 — 
eigentümlichen Lichte dar, wenn man sich den Vertrag vom 4. Jan. 1878 
näher anfieht, auf Grund dessen die Pforte der Besetzung der Insel durch 
England zustimmte. Der Vertrag war nämlich nichts anderes als ein eng- 
lisch-türkischer Bündnisvertrag gegen Rußland! Zypern war das Unter- 
pfand dieses Bündnisses. Der Sultan gestattete England die Besetzung und 
Verwaltung der Insel gegen das Versprechen, daß England ihm den Besfitz 
seines asiatischen Gebiets gegen Rußland garantiere. „In dem Falle“, 
heißt es wörtlich in dem ersten Artikel des Vertrags, „wo Batum, 
Ardahan, Kars (seither alle russisch!) von Rußland zurückbehalten werden 
sollte, sich irgendeines anderen Teiles der Gebiete des Sultans in Asien 
zu bemächtigen, wie sie der endgültige Friedensvertrag festsetzt, verpflichtet 
sich England, sich mit dem Sultan zur Verteidigung des in Rede stehenden 
Gebietes durch Waffengewalt zu vereinigen.“ Der Großwesir Gafwet, der 
seinen Namen unter dieses Schriftstück setzte, hat gewiß nicht erwartet, daß 
England eines Tages im Bunde mit Rußland die Türkei bekriegen werde, 
um sie ihrer asiatischen und anderen Besitzungen zu berauben, und daß an 
eben dem Tage, wo der GEarantievertrag diese seltsame Verkehrung ins 
Gegenteil erfährt, England sich des Unterpfandes Zypern durch einen 
Gewaltakt bemächtigen werde. 
Deutsche Flieger über dem Kanal. 
Die „Bapaumer Zeitung am Mittag“, wie sich eine für unsere Truppen 
bestimmte, in dem französischen Städtchen Bapaume erscheinende Feld- 
zeitung nennt, veröffentlicht folgende interessante Mitteilung: 
Leutnant Caspar und Oberleutnant Roos der Fliegerabteilung 
des ... Armeekorps überflogen ... als die ersten deutschen Offiziere in 
diesem Kriege den Kanal zwischen Calais und Dover und warfen auf ein 
Küstenwerk dicht westlich Dover zwei Bomben ab. (Voss. Ztg., 6. Nov.) 
Ein deutscher Seesieg an der chilenischen Küste. 
Dieamtliche deutsche Meldung. 
Amtlich (W.T. B.) Berlin, 6. November. Nach Meldung des 
amtlichen englischen Pressebureaus ist am 1. November durch unser Kreuzer-- 
geschwader in der Nähe der chilenischen Küste der englische Panzerkreuzer 
„Monmouth“ vernichtet, der Panzerkreuzer „God Hope“ schwer beschädigt 
worden. Der Kleine Kreuzer „Glasgow“ ist beschädigt entkommen. 
Auf deutscher Seite waren beteiligt: S. M. Großer Kreuzer 
„Scharnhorst“ und „Gneisenau“ und S. M. Kleine Kreuzer „Nürnberg“, 
„Leipzig“ und „Dresden“. Unsere Schiffe haben anscheinend nicht gelitten. 
Der stellvertretende Chef des Mdmiralstabes. 
Behnrcke. 
Der Verlauf der Seeschlacht. 
Amsterdam, 5. November. Reuter meldet: Aus Washington 
wurde an die „Morning Post“ telegraphiert, daß der „Newyork Herald“ 
aus Valparaiso eine Depesche über ein Seegefecht an der chilenischen Küste 
empfangen hätte. Der englische Kreuzer „Monmouth“ kämpfte mit der 
Flagge im Topp fort, bis sein Rumpf buchstäblich von Kugellöchern durch- 
siebt war und das Wasser hineinströmte. Die Männer, welche das schreck- 
liche Granatfeuer noch nicht getötet hatte, standen ruhig bei den Kanonen 
  
 
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.