Full text: der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

— 751 — 
Die Aussage des zweiten Offiziers hat folgenden Wortlaut: 
Am 5. September nachmittags erhielt ich in Dormans Befehl, ge- 
meinsam mit dem Oberleutnant F. die Orte Montmort, Champaubert 
und Baye im Hinblick auf eine Unterbringung des Armee-Oberkom- 
mandos zu erkunden. Die beiden zuletzt genannten Orte sollten vorab 
besichtigt werden. Wir stellten fest, daß sie für den Zweck nicht in 
Betracht kommen konnten, nachdem sich in Montmort ein weitläufiges 
Schloß zur Unterbringung des Stabes darbot. In Montmort trafen 
wir bei beginnender Dämmerung ein. Dort waren die Bewohner fast 
ausnahmslos geflüchtet. Von der Gemeindevertretung war niemand 
mehr vorhanden. In den Räumen der Meirie hatten erst französische, 
dann deutsche Truppen genächtigt. 
Eine Besichtigung des Schlosses, in dessen Hofe eine Kolonne auf- 
gefahren war, deren Offiziere einige Schlafzimmer bewohnten, ergab ein 
Bild wüstesten Durcheinanders. Zunächst verzweifelten wir an der Mög- 
lichkeit, die notwendigen Räume im Laufe eines Tages wieder bewohn- 
bar zu machen. Nach Rücksprache mit dem in der Nähe des Schlosses 
wohnenden Arzte Dr. Esra, der uns versprach, am nächsten Morgen 
eine Anzahl Männer und Frauen mit Besen u. a. zu besorgen, glaubten 
wir jedoch, rechtzeitig die Unterkunft bereitstellen zu können. Der er- 
wähnte Arzt teilte uns mit, daß das Schloß bis zum 3. September abends 
von französischen Truppen bewohnt gewesen sei. 
Nachdem auf Grund unserer Meldung Befehl gegeben war, am 
6. September in Montmort Quartier zu machen, ist es uns mit ilfe 
der Damen aus dem dem Schlosse zunächstliegenden Hause und einem 
Dutzend Männer aus dem Orte gelungen, die erforderlichen Räume des 
Schlosses wieder in leidliche Ordnung zu bringen. Wir stellten dabei 
fest, daß keine Ecke des Hauses, kein Schrank und keine Schieblade unver- 
sehrt geblieben, sogar in der Hauskapelle alles durcheinander geworfen 
war. Leere Bestecketuis und Aehnliches bewiesen uns eine regelrechte 
Plünderung. 
Nach diesen einwandfreien Bekundungen kann kein Zweifel mehr 
darüber bestehen, wer in diesem Kriege die Erbschaft der Vandalen ange- 
treten hat. (Tägl. Rundschau, 20. November.) 
Nordamerikanische Werften liefern Unterseeboote an England. 
Die „Times“ dementieren sich selbst. 
Die „Times“ weisen mit Entrüstung den Vorwurf zurück, daß die 
Verbündeten von den Vereinigten Staaten durch Kriegsmaterial unter- 
stützt würden. So sagt das Blatt am 13. November unter der Ueber- 
schrift: „Submarine parts made in America“: „Die New-York World“ 
berichtet, Graf Bernstorff habe beim Staatsdepartement dagegen Protest 
erhoben, daß amerikanische Firmen Munition und anderes Kriegs- 
material an die Verbündeten liefern. Der Botschafter hat es als einen 
bösen Bruch der Neutralität bezeichnet, daß dank der Beherrschung der 
See Großbritannien alles das bekommen könnte, was es brauche, wäh- 
rend dies Deutschland nicht möglich sei. Der Protest des deutschen Bot- 
schafters gründet sich vornehmlich auf eine in der Presse erschienene 
Notiz, nach welcher „The Fall River Shipbuilding Company“ für Eng- 
land Unterseebote baue. Wenn an dieser Geschichte etwas Wahres wäre,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.