Full text : der Weltkrieg 1914. Band 2. (1)

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gefahr  ausgeschlossen  hätten.  Verhältnismäßig  am  freiesten  stand  noch
England  da.  Ich  habe  schon  vorhin  daran  erinnert,  mit  welcher  Emphase
die  englischen  Staatsmänner  immer  aufs  neue  ihrem  Parlament  das
ganz  ungebundene  Selbstbestimmungsrecht  Großbritanniens  gerühmt
haben.  vier  konnte  am  ersten  der  Versuch  zu  einer  Verständigung
gema  werden,  die  tatsächlich  den  Weltfrieden  gerantiert  hätte.  (Sehr
richtig!  «

Danach  habe  ich  gehandelt,  danach  mußte  ich  handeln.  Der  Weg
war  schmal,  das  wußte  ich  wohl,  die  insulare  englische  Denkart  hat  im
Laufe  der  Jahrhunderte  einen  politischen  Grundsatz  mit  der  Kraft  eines
selbstverständlichen  Dogmas  ausgestattet,  den  Grundsatz  nämlich,  daß
England  ein  arbitrium  mundi  gebühre,  daß  es  nur  aufrecht  erhalten
könne  durch  die  unbestrittene  Seeherrschaft  einerseits  und  durch  das  vielberufene
  Gleichgewicht  der  Kräfte  auf  dem  Kontinent  andererseits.  Ich
habe  niemals  gehofft.  diesen  alten  englischen  Grundsatz  durch  Zureden  zu
brechen.  Was  ich  für  möglich  hielt,  war,  daß  die  wachsende  Kraft  Deutschlands
  und  das  wachsende  Risiko  eines  Krieges  England  nötigen  könnte,
einzusehen,  daß  dieser  alte  Grundsatz  unhaltbar,  unpraktisch  geworden  ist,
und  einen  friedlichen  Ausgleich  mit  Deutschland  vorzuziehen.  Jenes
Dogma  aber,  meine  Herren,  lähmte  immer  wieder  die  Möglichkeit  der
Verständigung.

Einen  neuen  Anstoß  erhielten  die  Verhandlungen  durch  die  Krisis
des  Jahres  1911.  Ueber  Nacht  war  dem  englischen  Volk  klar  geworden,
daß  es  vor  dem  Abgrund  eines  europäischen  Kriegs  gestanden  hatte.  Die
Volksstimmung  zwang  die  englischen  Machthaber  zu  einer  Annäherung
an  Deutschland.  In  langwieriger  Arbeit  gelang  es  schließlich,  sich  über
verschiedene  strittige  wirtschaftliche  Interessenfragen,  die  Vorderasien  und
Afrika  betrafen,  zu  verständigen.  Damit  sollten  die  möglichen  politischen
Reibungsflächen  vermindert  werden.  Die  Welt  ist  weit,  sie  bietet,  wenn
man  nur  nicht  die  freie  Entfaltung  unserer  Kräfte  hindern  will,  beiden
Völkern  Raum  genug,  im  friedlichen  Wettbewerb  ihre  Kräfte  zu  messen.
Das  an  der  Grundsatz,  den  unsere  Politik  von  jeher  vertreten  hat.  (Sehr
richtig!

Aber,  meine  Herren,  während  wir  so  verhandelten,  war  England
unablässig  darauf  bedacht,  seine  Beziehungen  zu  Rußland  und  Frankreich
  immer  enger  zu  gestalten.  Das  Entscheidende  dabei  war,  daß  über
das  politische  Gebiet  hinaus  immer  weitere  militärische  Abkommen  für
den  Fall  eines  Kontinentalkrieges  getroffen  wurden.  England  betrieb
diese  Verhandlungen  möglichst  geheim.  Wenn  etwas  davon  durchsickerte,
wurde  ihre  Bedeutung  in  Presse  und  Parlament  als  durchaus  harmlos
hingestellt.  Verborgen  sind  sie  uns  nicht  geblieben,  wie  Sie  aus  den  Veröffentlichungen
  wissen,  die  ich  veranlaßt  habe.  Die  gesamte  Situation,
meine  Herren,  war  eben  die:  England  war  zwar  bereit,  sich  über  Einzelfragen
  mit  uns  zu  verständigen,  oberster  und  erster  Grundsatz  der  englischen
  Politik  aber  blieb  ihm:  Deutschland  muß  in  der  freien  Entfaltung
seiner  Kräfte  in  Schach  gehalten  werden  durch  die  balance  of  power.
Das  ist  die  Grenzlinie  für  freundschaftliche  Beziehungen  mit  Deutschland.
Zu  dem  Zwecke:  Stärkung  der  Tripleentente  bis  aufs  äußerstel!

Als  die  Freunde  militärische  Zusicherungen  dafür  verlangen,  sind
die  englischen  Staatsmänner  sofort  bereit,  sie  zu  geben.  Der  Ring  ist