— 827 — setzten feindlichen Gegenstoß auszuweichen, wurden einzelne Teile in
günstiger gelegene Abschnitte befohlen. Südlich Belgrad schreitet unsere
Offensive vorwärts. Am 8. Dezember wurden insgesamt zwanzig Geschütze
und ein Scheinwerfer erobert und zahlreiche Gefangene gemacht.
Japan gibt Kiautschon nicht zurück.
Amsterdann, 10. Dezember. „Reuter“ meldet aus Tokio: Im
Parlament wurde angefragt, ob Kiautschou später an China zurückgegeben
werden müsse. Der Minister des Aeußern Kato antwortete für
die Regierung, daß über die Zukunft Kiautschous zurzeit nichts gesagt
werden könne. Der Zweck des Ultimatums an Deutschland sei gewesen,
die Uebergabe der Kolonie zu erzwingen, um so den Frieden im Osten
zu sichern. An eine Rückgabe nach dem Kriege sei nicht gedacht worden
und ist auch im Ultimatum nicht erwähnt.
Die Offensive der Türkei im Kaukasus.
Konstantinopel, 10. Dezember.
Amtlicher Bericht. Eine Grenzabteilung besetzte im Kaukasus
Taouchrerd, im Norden von Olty. Unsere an der Grenze von Aserbeidjan
der persischen Provinz) operierenden Truppen rückten bis Somay und
Djihari im Osten des Wilajets Wan vor.
Ein neuer Anschlag Englands auf das Völkerrecht.
Was die neuttalen Staaten von England, dem Oberschutzherrn des
Völkerrechts, der seine Hand auch in den blutigen Handel dieses Krieges
scheinheilig nur als Behüter der belgischen Neutralität gemengt hat,
in Wirklichkeit zu erwarten haben, das zeigt in unübertrefflicher
Deutlichkeit ein Vorkommnis, dessen „Held“ derselbe Mister Grant
Duff, der als englischer Gesandter in der Schweiz die Unverfrorenheit
besessen hat, vom Kirchturm in Romanshorn aus Spionage gegen
Friedrichshafen zu treiben. Der „Frankfurter Zeitung“ ging von vertrauenswürdiger
Seite folgender englisch geschriebener Brief eines
Amerikaners zu, der übersetzt lautet:
Lieber Freund! Ja, ich weiß alles über jene stürmische Szene
zwischen Grant Duff und M. Da Sie offensichtlich von der Angelegenheit
schon unterrichtet sind und da mir niemand Verschwiegenheit
auferlegt hat, so habe ich keine Bedenken, Ihnen zu sagen, was
ich darüber weiß.
Evelyn Mountswart Grant Duff in seiner Eigenschaft als Gesandter
Seiner Britischen Majestät, außerordentlicher und bevollmächtigter
Minister zu Bern, verlangte vom Herrn Bundesrat M.,
dem kommenden Präsidenten der Schweiz, daß die auf dem St. Gotthard
stationierten militärischen Autoritäten gestatten sollten, daß die
Franzosen oder die Engländer funkentelegraphische Arbeiten an dem
radiotelegraphischen Turm und Apparat der Schweizer Regierung
auf dem St. Gotthard für die Dauer des gegenwärtigen Krieges
übernehmen, um ihn für Kriegszwecke zu benutzen. Dieser vorgeschlagene
Bruch der Neutralität erregte die Wut des Herrn M.
(obwohl M. ein italienischer Schweizer aus dem Kanton Tessin und
keineswegs deutschlandfreundlich ist). M. sagte Grant Duff, daß er