— 248 —
die Idee der Union auftauchte. Lutheraner und Reformierte
sind hier immer geschieden gewesen und sind es noch.
Ich werde hier etwas verfeinert und rede noch immer französisch
zu Gott, weil es mir jedesmal zu spät wird, um
einen mir als sehr gut empfohlenen lutherischen Prediger
draußen in Sachsenhausen zu besuchen.“ Nach 5 Tagen
schreibt er ihr, ültlutheraner nach Dersiner (Huttkamerschem)
Bekenmtnis habe er noch nicht gefunden. Eine innere
Kbneigung gegen konfessionelle Diskussionen verrät der
andere Brief"?): „Wir sprachen auch viel über Elusteilung
des heiligen übendmahls durch ungläubige Driester, waren
aber über diesen . streitigen Dunkt.. alle dahin einig,
daß nach der ugsburgischen Confession es auf den Glauben
des Empfängers, nicht auf den des Kusteilers ankomme.
Ich schließe mit dieser dogmatischen Expektoration.“
Sein Mangel an religiösem Sanatismus verleugnete
sich weder den Juden noch den Ratholiken gegenüber. So
berichtet er 30) über den alten Kmschel Rothschild, der ihm
gefalle, weil er eben ganz Schacherjude sei und nichts anderes
vorstellen wolle, dabei ein streng orthodoxer Jude, der bei
seinen Diners nichts anrühre und nichts gekauschertes esse.
Sehr unbefangen vermochte er auch vermeintliche Dorzüge
der katholischen Kirche anzuerkennen #). „Das Singen der
protestantischen Gemeinde will mir aber doch immer nicht
gefallen; es ist mir lieber, bei guter Kirchenmusik, von
Leuten, die es verstehen, gemacht, zu beten für mich und dazu
eine Nirche zu haben, wie die Teinkirche inwendig war,
und Morlachische Messen mit weiß gekleideten Hriestern,
in Dampf von Nerzen und Weihrauch; das ist doch würdi-