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so gegangen, wie 55 Jahre früher in den Freiheitskriegen, in
denen der erste Napoleon aus Deutschland herausgejagt wurde.
Da wollten immer die Preußen so und die Österreicher so,
und dann waren noch die Russen dabei, und die wollten auch
wieder anders, und als dann Frieden gemacht wurde, da
gönnte jeder sich selber was, aber Deutschland gönnte keiner
was. Das durfte ja kein Reich werden und keinen Kaiser
haben. So war es 1815 hergegangen auf dem Wiener Kongreß,
wo alle Kaiser und Könige zusammengekommen waren und
mit ihren Ministern die neue Landkarte von Europa zurechtgeschneidert
hatten. Das war 1870 anders; da saß Bismarck
darin und die preußische Fixigkeit; und als die Großmächte
wieder anfingen zu überlegen, ob man wohl erlauben sollte,
daß ein Deutsches Reich gegründet würde, wozu auch Bayern,
Württemberg und Baden gehörten, da sahen sie auf einmal,
daß sie mit ihrem Überlegen zu spät kamen, denn das Deutsche
Reich war nun schon ganz fertig; es hatte schon seinen Kaiser,
denn König Wilhelm hatte sich auf die Aufforderung des
Königs von Bayern entschlossen, den Titel „Deutscher Kaiser"
anzunehmen. König Wilhelm hatte das zuerst gar nicht gewollt;
er sagte: „Ein Kaiser muß doch Landesherr sein; ich bin doch
aber gar nicht Landesherr in Deutschland, sondern nur in
Preußen, nicht aber in Sachsen und Bayern und Württemberg
und den anderen Ländern. Darum will ich mich lieber
Herzog der Deutschen nennen, denn Heerführer des ganzen
deutschen Volkes bin ich ja jetzt, und das muß der König von
Preußen auch immer sein.“ Aber das deutsche Volk wollte
nun einmal einen Kaiser haben; ohne Kaiser konnte man sich
gar kein Deutsches Reich denken, und von „Kaiser und Reich“
hatten immer alle Männer gesprochen, die Deutschland einig
machen wollten. Das alles stellten Bismarck und der Kronprinz
dem Könige vor, und da gab denn der König nach und
nahm den Titel „Deutscher Kaiser“ an.
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