Full text : Diplomatische Aktenstücke.

Man  bereitet  die  öffentliche  Meinung  vor  auf  eine  neue  Verstärkung
  des  aktiven  Heeres,  welche  Deutschland  einen  ehrenvollen
  Frieden  und  den  ihm  in  der  Weltpolitik  zukommenden
Einfluss  sichern  würde.  Das  neue  Militärgesetz  und  die  Ergänzung,
  die  ihm  folgen  muss,  werden  beinahe  vollständig  die  Erreichung
  dieses  Zieles  ermöglichen.

Weder  das  lächerliche  Revanchegeschrei  der  französischen
Chauvinisten,  noch  das  Zähneknirschen  der  Engländer,  noch
das  ungeregelte  Gebaren  der  Slaven  werden  uns  von  unserm
Endziel  abbringen,  das  Deutschtum  in  'der  ganzen  Welt  zu  stärken
  und  auszubreiten.  u

Die  Franzosen  mögen  rüsten  soviel  sie  wollen;  sie  Können
nicht  von  heute  auf  morgen  ihre  Bevölkerung  vermehren.  Die
Verwendung  eines  schwarzen  Heeres  auf  den  europäischen
Kriegsschauplätzen  wird  noch  lange  .ein,  übrigens  jeder  Schönheit
  barer,  Traum  sein.

Il.  Ziel  und  Aufgaben  unserer  nationalen  Politik,  unseres  Heeres
und  unserer  besondern  Organe  im  Dienste  des  Heeres.

Unser  neues  Militärgesetz  ist  lediglich  eine  Erweiterung  des
militärischen  Erziehungswerkes  am  deutschen  Volk.  Unsere
Vorfahren  von  1813  haben  grössere  Opfer  gebracht.  Es  ist  unsere
  heilige  Pflicht,  das  Schwert,  das  man  uns  in  die  Hand
gedrückt  hat,  zu  schärfen  und  bereit  zu  halten,  um  uns  zu  verteidigen
  und  um  unserm  Feinde  Hiebe  zu  versetzen.  Der  Gedanke
  muss  tief  ins  Volk  eindringen,  dass  unsere  Rüstungen
eine  Antwort  sind  auf  die  französischen  Rüstungen  und  die
französische  Politik.  Es  muss  an  die  Auffassung  gewöhnt  werden,
  dass  ein  Offensivkrieg  unserseits  eine  Notwendigkeit  ist,
um  den  Herausforderungen  des  Gegners  entgegenzutreten.  Dabei
  muss  vorsichtig  zu  Werke  gegangen  werden,  um  keinen  Verdacht
  zu  erwecken,  und  es  gilt,  die  Krisen  zu  vermeiden,  die
unser  wirtschaftliches  Leben  schädigen  könnten.  Die  Sache
muss  so  geführt  werden,  dass  unter  dem  schweren  Druck  gewaltiger
  Rüstungen,  grosser  Opfer  und  einer  gespannten  politischen
  Lage  das  Losschlagen  wie  eine  Erlösung  empfunden
wird,  weil  nachher,  wie  nach  1870,  Jahrzehnte  des  Friedens  und
der  Wohlfahrt  folgen  würden.  Der  Krieg  muss  auch  in  finanzieller
  Hinsicht  vorbereitet  werden;  nach  dieser  Richtung  ist