Full text : Die Weltgeschichte. Zweiter Theil. Das Mittelalter. (2)

178  Das  heilige  römische  Reich  deutscher  Nation.

siegt!  warfen  sich  die  Deutschen  mit  dem  Kaiser  an  der  Spitze  auf  den
Feind  und  trieben  diesen  mit  unwiderstehlicher  Kraft  in  die  Flucht;  das
reiche  Lager  fiel  in  ihre  Gewalt,  und  als  sie  umkehrten,  wehte  die  Fahne
des  Kreuzes  auf  den  Mauern  Ikoniums.  Die  Türken  hatten  einen  Ausfall
  gewagt,  wurden  aber  zurückgeschlagen  und  so  rasch  verfolgt,  daß  die
Deutschen  zugleich  mit  den  Flüchtlingen  in  die  Stadt  eindrangen.  Hier
gab  es  Beute  vollauf  und  das  Heer,  welches  vorher  entsetzlichen  Mangel
erduldet  hatte,  war  nun  so  reichlich  versehen,  daß  man  ein  Huhn  gegen
einen  Ochsen  vertauschte.  Saladin  erschrack  und  wollte  unterhandeln,
aber  der  Kaiser  rückte  unaufhaltsam  vor,  bald  stand  das  Heer  auf  sprischem
  Boden  und  näherte  sich  Antiochien.  Da  ertrank  der  Kaiser  den
10.  Juni  im  Flusse  Kalpkadnus  (Saleph)  und  mit  ihm  war  der  ordnende
Geist  aus  dem  Heere  verschwunden.

Die  Kunde  von  Friedrichs  Tode  erfüllte  ganz  Europa  mit  Trauer
und  selbst  seine  ehemaligen  Gegner  klagten  laut,  daß  die  Säule  der
Christenheit  gebrochen  sei.  Des  Kaisers  Gebeine  wurden  in  Antiochien
begraben;  sein  Name  erhielt  sich  Jahrhunderte  lang  im  Gemüthe  des
Volkes,  dessen  Macht  und  Kriegsruhm  er  so  hoch  gehoben  batte,  daß
ihm  kein  anderes  auch  nur  nahe  kam;  des  Kaisers  Streit  mit  der  Kirche
fühnte  die  heilige  Kriegsfahrt,  und  sein  unglücklicher  Tod  auf  derselben
grub  sein  Andenken  tiefer  ein  als  die  glänzendste  Waffenthat.

Der  Krieg  vor  Ptolemass  (1190—1192).

Der  Herzog  Friedrich  führte  das  Heer  vor  Ptolemais,  wo  Franzosen
  und  Engländer  unter  ihren  Königen  lagerten.  Die  Festung  vertheidigte
  sich  mit  großer  Tapferkeit  und  Sultan  Saladin  hielt  das  Feld
im  Rücken  der  Kreuzfahrer;  unaufhörliche  Gefechte  rafften  eine  große
Anzahl  Christen  weg,  und  vielleicht  noch  mehr  gingen  durch  Krankheiten
zu  Grunde.  Da  starb  auch  Herzog  Friedrich,  nachdem  er  den  Orden
der  deutschen  Ritter  gestiftet  hatte.  Am  12.  Juli  1191  ergab  sich
Ptolemais  an  die  Belagerer  unter  der  Bedingung,  daß  die  Gefangenen
von  Saladin  ausgelöst  würden;  da  dieser  es  nicht  schnell  genug  thun
konnte,  ließ  Richard  seinen  Antheil,  7000  Gefangene,  niederhauen.
Ptolemais  blieb  aber  auch  die  einzige  Eroberung,  welche  in  diesem
Kreuzzuge,  dem  größten  von  allen,  gemacht  wurde.  Die  Nationen  vertrugen
  sich  so  wenig  als  die  Fürsten,  Richard  erbitterte  den  Philipp
August  so,  daß  dieser  bald  nach  dem  Falle  von  Polemais  beimkehrte.
Der  englische  König  kämpfte  fort,  aber  obwohl  er  wahre  Wunder  der
Tapferkeit  verrichtete,  so  vermochte  er  doch  nichts  gegen  seinen  großen
Gegner  Saladin.