Da es nun wirklich Ernst zu werden schien, und man nicht wußte, was
von Sachsen, ja selbst von Hannover zu erwarten stand, erhielt der alte Fuͤrst
Leopold von Dessau den Befehl, sich mit 33,000 Mann in der Mark bereit zu
halten, um Sachsen zu uͤberfallen und zu entwaffnen, waͤhrend Friedrich fich
der Festung Neisse bemächtigen wollte.
Unterdessen hatte man aber von östreichischer Seite ernstliche Anstalten zur
Gegenwehr getroffen. Etwa 15,000 Mann, an deren Spitze man den Feldmarschall
Neipperg gestellt hatte, welcher allerdings in dem letzten Kriege
gegen die Türken nicht glücklich gewesen war, jedoch unter Eugen gebildet für
geeignet galt, den jungen unerfahrenen König und seine nur an den Exercierplatz
gewöhnten Truppen nach Berlin zu „den Musen und Apoll“ zurückzusenden,
drangen von Mähren aus auf schwierigen Wegen gegen die Operationslinie Friedrichs
auf Neisse los, während dieser mit seinen Truppen vor Troppau und
Jägerndorf stand. Letzterer wurde noch zur rechten Zeit durch Ueberläufer von
der gefährlichen Bewegung des Feindes benachrichtigt, welche ihn nicht nur von
Neisse, sondern sogar von Ohlau, wo sein Artilleriedepot, Haupt-Munitions-=und
Fourage-Magazin war, abschneiden konnte. Der König ging schnell über
den Reissefluß zurück, zog Schwerin und den Prinzen Leopold an sich, konnte
jedoch nicht alle vereinzelten Corps um sich versammeln, während Neipperg mit
Verstärkung aus dem Glatzischen gegen Brieg vorrückte, die vor dem Orte liegenden
2500 Preußen nach Ohlau zurückdrängte, und eine Meile von Brieg
nach jener Stadt zu bei Mollwitz ein Lager bezog. Es war ein Glück für
den König, daß RNeipperg nicht seinen siegreichen Marsch bis nach Ohlau fortsetzte,
und ihn durch Einnahme dieser Stadt aller seiner Hülfsmittel beraubte.
Friedrich II. sah das Gefährliche seiner Lage vollkommen ein, und war
entschlossen, unter allen Umständen zu schlagen, damit er seine Kriegsvorräche
rettete oder wenigstens sich einen Weg nach Niederschlefien und der Mark eröffnete.
Am 9. April hielten beide Heere Rasttag, der 10. war zum Angriff
bestimmt. Friedrich II. hatte 16,000 Mann Fußvolk und sechszig Geschütze, wogegen
die Oestreicher nur 11,000 Mann Fußvolk und achtzehn Kanonen aufstellen
konnten; dagegen waren sie an Reiterei den Preußen weit überlegen, hier
fochten 8000 gegen 3200 Mann.
Neipperg war sehr überrascht, als er am 10. April um 11 Uhr den Anmarsch
der Preußen erfuhr, und eilte seine Stellung einzunehmen. Auch bei
den Preußen ging es nicht allzu rasch von statten, denn Friedrich, der den Krieg
bisher nur aus dem Bücherstudium kannte, verlor viel Zeit bei der regelrechten
Aufstellung seines Heeres, während ein rascher Angriff auf den noch ungeordneten
Feind ihm vielleicht einen schnellen Sieg verliehen hätte. Ja man hatte
sich bei dieser Aufstellung im Platz so sehr verrechnet, daß fünf Bataillone in
der Schlachtlinie keinen Raum fanden, und hinter derselben zwischen dem ersten
und zweiten Treffen untergebracht werden mußten. Um den Mangel an Reiterei