Rosenheimer Anzeiger
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* Fern sprecher: Lerlag und Nedabson Nu Nr. 72, Inseralen-Abteilung Nr. 235.
und Feiertage). — Der Ab
Rumnmer 170 Kath.: Fest der hl. Mutter Anna
General Jochs Plau.
" tornn militärischer Seite wird uns geschrieben:
Taktik des Generals Foch als Führer der
Ententeheere im Westen sticht von derjenigen unserer
Heerführung in einem entscheidenden Punk.
1e ab. Wir sind schon seit langem davon abgekommen,
die Entscheidung des großen Kampfes
im einer einzigen wuchtigen Feld
schlacht z sehen und zu suchen. Foch ist aber
noch der Meinung, auf diesem Wege die letzte
Entscheidung des Krieges herbeiführen zu können.
Zeugnis dafür ist seine zugestandenermaßen
machtvolle und großpügig angelegte Gegenoffenive,
welche im Grunde nichts Geringeres antrebt,
als uns mit einem überraschenden, zermalmenden
Schlage lahmzulegen, um dann in
nachfolgender, wildest geführter Schlacht die Widerstandskraft
unserer Heere mu brechen. Foch
ist als Vertreter dieser Idee sich schon seit seiner
Dogentenzeit an der Pariser Kriegsschule gleich
geblieben, während der er ein Buch: „Grundge
des Krieges“ schrieb. In diesem sagt er
über das Ziel des Kampfes: „der Feind muß
geschlagen werden, wenn er zum Weichen gebracht
werden soll. Nur ein Mittel gibt es dam:
die Schlacht. Kein Sieg ohne Schlacht!“ Nach
diesem Grundsatz handelt er heute noch. Aber
er estellt den oöllig veränderten Charakter heusger
Schlachten mit ihren Riesenmassen und unbegrenzten
kriegstechnischen Mitteln gegenüber
den früheren Kämpfen nicht mit in Rechnung.
Bei Millionenheeren, die mit den fürchterlichsten
Vernichtungswerkzeugen ausgestattet sind, insbesondere
bei den ungeheuren artilleristischen
Fortschritten unserer schrecklichen Zeit ilt eine
Uuherkampfsetzung des Gegners in einer einzigen,
wem auch noch so grandios vorbereiteten und
wuchtig geführten Schlacht nicht mehr möglich.
sind auch die Ka onten zu ausgedehnt
geworden, sie haben gegen früher eine das zehnund
mehrfache übersteigende Länge, sind überdies
durch gewaltige Erdfestungen gestützt und
noch in sich durch Gegenwerke verankert. Unsere
Führung hat schon seit der Entwicklung der
Kämpfe im Frühherbst 1914 sich entschlossen.
einer anderen, und, wie die Dinge eeigten,
auberordentlich erfolgreichen Taktik zugewandt.
Wir gingen mum Zermürbu nassostem
über. Dieses sucht den Erfolg nicht in opferreichem
Gewaltsturme, sondern in dem systematischen
Jertrümmern der feindlichen Machtmittel, sheien
sie nun persönlicher oder materieller Art.
nach sind wir verfahren bei der allmählichen
Ausschaltung der russischen Millionenheere und
dieselbe Methode, den veränderten dortigen
Kamofbedingungen entsprechend angepaßt, wird
nun auch im Westen angewandt. Nicht um
Amiens, Paris, Reims oder Calais wogt die
Schlacht, sondern um die Bindung und Zertrümzinerung
der gennerischen Machtmittel, aus deren
Schwächung und Beseitigung sich dann alles weitere
ergibt. In diesem Sinne sind die jezigen
Kämpfe im Westen zu betrachten. Gewisse Heim-L#rategen,
welche die Nase rümpfen, wenn ein
Kilometer Boden für den Augenblick aufgegeben
wird, mögen also bedenken, daß sie mit ihren
nlshanungen um ein halbes Jahrhundert zurück
ind.
die schlact! iu Vesien.
Went Bericht.
* WTB. Berlin, 24. 7. abends. Amnnillich.
Uuf dem Schlachtfelde zwilchen Soissans
und Reims im ganzen ru r Tag. Teiläln
südlich des Oen und südwestlich von
eims.
□i
Von der Armee des Generalobersten
von Boehn
ging dem Großen Hauptquartier am Nachmittag
des 23. Juli solgende Meldung über die
ersolgreiche Abwehr des feindlichen Großangrifes
am Vormittag ein:
Nach etwa einstündiger Feuervorbereitung in
höchster Kampffeuersiexke ging der Feind auf
ber ganzen Westsront ber Armee zu neuem einbeitlichen
Angriff über. Von starker, zum Tell
Die einspaltige Petilzeile im Anzelgentell koklet 15 Plg., die Petilzeile im Reklameleil 40 Pl.
Die Annahme von Anzeigen, Reklamen und Beilagen ersolgt durch die Annoncen-Epedllion
Haasenstein & Vogler, A.-G., Rosenheim, München, Nürnderg, Berlin, Brcslau, Cassel usw.
Schluß der Anzeigen-Annahme 12 Uhr mlllags.
Rosenheimer Tagblakt
Amkliches Publikations-Organ
Freitag, 26. Juli 1918
Die Fepision des Brester Friedeus-Vertrages
abgeschlofsen.
Zwischen Soissons und #Keims im allgemeinen ruhiger Tag.
Frhr. Hufsarek österreichischer Ministerpräfident.
neu gruppierter Artillerie unterstützt,
Franzosen, Schwarze und Amerikaner, von zahl.
reichen Kampfeinheiten begleitet, an.
Auf der ganzen Front wurden die sich mehrsach
wiederholenden Anstürme des Feindes teils
vor, teils in den Stellungen, zum Teil in Gegenangriffen,
abgewiesen. Der einheitl. Großangriff
des Vormittags ist zu Ungunsten
des Feindes entschieden. Teillämpfe sind
noch im Gange.
Den gegen den Abschnitt General von Natter
anstürmenden weißen und schwarzen Masien gelang
es, beim ersten Ansturm unter Begleitung
von bis zu 40 gezählten Tanks zwischen Duzewey
und Tigny zunächst Boden zu gewinnen.
Bald hinter ihrer vordersten Linie fingen die
Divisionen den Angriff auf und schlugen den
Feind im Gegenangriff zurück. Villermontoire
wurde dem in dichten Mengen von unserer Artillerie
beschossenen zurückflutenden Feind wieder
entrissen.
Bis zu viermalen holte der Feind zu neuen
Angriffen vergeblich aus. Das Korps hat mehr
als seine alte Linie wieder gewonnen. Ein erneuter
Feindangriff ist zur Zeit nördlich Tigny
wieder im Gange. Zahlreiche zerstorte Tanks
liegen hinter der Front.
Mit sichtbar gut liegendem Vernichtungsfeuer
nahm Abschnitt General von Etzel gegen 6 Uhr
vormittags den gleichfalle von zahlreichen Tanks
begleiteten Feindangriff an. bwurde in
Nahkampf und in Gegenstößen abgewiesen. Ge
gen 8 Uhr vormittags drangen neue Infanterieund
Kampfwellen vor. Der Hauptdruck richtete
sich gegen die Linien Le Plessier# Hulen. Der
Feind wurde abgewiesen. Tanks, die über die
große Chaussee hinter der Front durchgebrochen
waren, wurden zusammengebrochen.
Auch im Abschnitt General von Windler ent
wicllten sich schwere Kämpfe. Seine Divisionen
schlugen alle Angriffe ab. Höhe 141 ging vorübergehend
verloren und wurde durch Gegen
angriff wieder genommen. Im Dorfe Armentieres
an der Straße Soissons- Chateau-Thierry
gelang es dem Feind, Fuß zu fassen.
Gegenangriffe sind im Gange.
: Die Diovisionen der Abschnitte General von
Schosler und General von Kathen schlugen den
gleichfalls in großer Stärle mit Tanks angrei
senden Feind ab. Nur im Nordteil des Chate
let- Waldes, in den der Feind eindrang, sind Gegenkämpfe
noch im Gange. Sonst hat die
Kampftätigkeit hier nachgelassen.
Jagd= und Schlachtflieger wurden mit Erfolg
in den Kampf eingesetzt. Die Truppenzugehö
rigkeit zahlreicher Gefangener wird in der
Abendmeldung gemeldet.
Starke amerikanische Aerluste.
Berlin, 24d. 7. Nach einer Rotterdamer
Meldung des „Lokalanseiger" übersteigen die
griffen
amerikasichen Verluste in den letzten Kämpfen
nach glaubwürdigen Berichten die Ziffer 80 000.
Die amerikanischen Kadres litten schwer, denn
die Offiriere sollten ihre Mannschaften in den
Kampf führen, dem Beispiele ihrer französischen
Lehrer folgend.
22 dl. Bericht vom 23. 7.
2
85
Am
uli schoben wir unsere Linie südlich Mereteren
und südlich von Hebuterne ein wevor.
Ebenso verbesserten wir nachts im
Msemi von Hamel unsere Stellungen. Wir
machten erfolgreiche Vorstöße in der Nähe von
Minzerville, Ayette, Oppy. Avion und Lens.
Starkes feindliches Feuer mit Gasgranaten im
Abschnttt von Villers Bretonneur.
Französischer Abendbericht vom 93.
Juli. Auf beiden Seilen des Ourcq erzielten
unsere Truppen trotz des Widerstandes des Feindes,
der neue Reserven heranfühhrte, neue Vorteile.
Auf dem Nordufer eroberten wir Plessier
und Huleux, erreichten den Westrand von Dulchnla.
Ville und nahmen das Dorf Montgru. Südlich
des Ourcq überschritten framösische und
amerikanische Truppen die Straße nach Chateau-Thierry
und schoben ihre Linien mehr als 1
Kilometer östlich vor. Das Dorf Nocourt ist
ebenso wie der größere Teil des Waldes von
Thatelet in unserem Besitz. Auf dem rechten Marneufer
erselten wir neue Fortschritte. Nörolich
Mont-St. Fere, Jaulgonne und Chartres, das
ebenfalls in unserem Besitz i#t, erweiterten wir
unseren Brückenkopf bei Jaulgonne. An der
Front mischen Marne und Reims fanden heftige
Kämpfe zwischen Ardre und Vrigny statt. Die
alliierten Truppen griffen starke feindliche Stellungen
an, rückten mehr als einen Kilometer vor
und fügten dem Gegner schwere Verluste zu.
Englische Truppen machten 300 Gefangene und
erbeuteten 5 Geschütze. Nördlich Montdidier ergab
eine örtliche Unternehmung, die es uns
ermöglichte, am Morgen Mailly. Raincval,
Sanvillers und Aubervillers zu besetzen, 1500
Gefangene, darunter 30 Offiiiere.
Orientbericht vom 22. Juli: In Albauien
seyten unsere Truppen mit prächtigem
Schwung trotz starker Hitze gestern ihre An.
griffe fort und vertrieben nach einer Reihe harter
Kämpfe Mann gegen Mann die Oesterreicher
aus allen Stellungen südlich des Holta- Fbisses.
Während dieser beiden Tage machten sie 600
Gefangene, darunter 6 Offiziere und erbeuteten
12 Maschinengewehre. Auf unserem linken Flügel
westlich Devoli bemächtigten sich ilalienische
Truppen der Höhe 900 nördlich von Goriza.
Die Vorgänge in Rußland.
Japans Eingreifen in Sibirien.
Haag, 24. 7. Hollands Nieuws Burcau
meldet aus Tokio: In einer außerordentlichen
Sitzung des Staatsrat es unter dem Vorsitze des
Kaisers wurden die Maßregeln der Regierung
zum Vorgehen in Sibirien gutgeheißen.
Chinas Einbersen in Sibirien.
*T ientsin, 19. (Reuter.) In einer gesiern
im Aricheoministerium abgebaltenen Sitzung
hat das Kabinett entschieden, daß China an der
Interwention in Sibirien teilnimmt.
Ein Erfolg der Gegeurevolutionärc.
Moskanu. 21. 7. Wie die Presse meldet,
haben die Sowjettruppen Orenburg endgültig
aufgegeben. An der Spitze der neuen Orenburger
Regierung sleht Dutow. Die Bolschewiki
haben alle Wertsachen mitgenommen.
Verschleppte Großfürsten.
* Moskau, 24. 7. „Nasch Wiek“ meldet.
nach einem Telegramm des Vorsitzenden des
Jekaterinburger Gebietsrates, daß am 19. Juli
eine unbekannte Bande den Wohnort der ehemaligen
Grohfürsten Igor Konstantinowitsch,
Johann Konstantinowitsch und Sergius Michailowitsch
überfielen und die Großfürsten ungeachtet
des Widerstandes der Wache fortschlepoten.
Die russische Feistütshtll gegen die
olschewiki.
Stockholm, 24. 7. Wie der Korrespondent
der I U. erfährt, sind jetzt auch die Popen
Prel· Anna 64. Jahrgang.
zur Opposition gegen die Sowjetregierung übergegangen
und predigen in den Kicrchen den
Kampf gegen die Volschewiki. In
Moskau wurde ein Pope, der eine solche Pre.
digt hielt, von der Kanzel geholt und sat zu
Tode geprügelt. Als Protest haben die Popen
beschlossen, sich an den Begräbnissen von Bol
schewisien nicht zu beteiligen.
der amt. Pfierreichsche beuic.
. Wien, 24. 7. Amtlich wird verlaut
An der italienischen Front keine nennenswerten
Kampfhandlungen.
Auf dem albanischen Kriegsschunplatg
haben unsere braven Truppen die an
haltenden Anstrengungen des Feindes, unfere
Linien im Devoli. Abschnitt zu durchbreche.
durch 2äahen Widerstand vereitelt.
r Ches des Generalstabs.
Dder Kries zue See.
Deutsche Fliegererfolge in
v% Flandern.
WTB. Berlin, 24. 7. Unsere in Flandern
unter dem Befehl von Leutnant zur See Sach
seuberg stehenden Marine- Jagdilieger schossen
In den leyten Wochen 2 seindliche Fluggeuge
ab und errangen seit Beilehen dieses
Fliegerverbandes (30. April 1917) ihren 100.
Luftsieg. Leutnam zur See Sachsenberg
schoß seinen 16. und 17., Leutnant d. R. M.
UA. Osterkampp seinen 16. Gegner ab. Herworragend
sind an den Erfolgen noch beteiliat
Vize’ Flugmeister Heinrich u. Flugmaat Zenzes.
Der Chei des Admiralstabs der Marinc.
Mseeines vom Kries.
Widerlicher Ireudenhnmnusitalienischen
Blattes auf die E
ung des Grafen Mirbach
Im „„Popolo d’Italia'“ vom 12. Jui wird
die Ermordung des deutichen Gesandten 1
Moekau in folgender den Tiefand des heuli
gen Jialiens nur zu deutlich lennzeichnender
Weise kommentiert: Man hat ihm eine auf
den Pel; gebrannt mit dem R volver ##
cinces
iinor
ihm einige Bomben in die Schnaus:e
geworfen. Das war genng Blei. *2“
Elefanien lotzuschlage n. und erit ret
einen Boche Gesandte n, iogar einen ei
was abgenutzten ohnsisch naturlich. Do#
Verband hat sicherlich nichts damit zu tun Die
Erekutoren Mirbachs sind mweifellos Herven.
Heute herrscht zwar die Ordnung Lenius iu
Moskau, doch die Bombe, die das Fleisch dedeutschen
Botschafters zerfetzt bal. il und kann
ncht5 sein als die ersie Lat einer Seric.
Aunsland.
Hussarck Ministerprasident.
* Wien. 21. 7. (Wiener k. k. Tel. Korr.
Bureau.) Wie wir ersahren, wurde der Gebeime
Rat und Minister a. O. Dr. Mar Frhr. Onisarek
v. Heinlein zum Ministerpräsidenlten
ernannt.
u—————.
Uebertretung der Krieg svorschriften.
Mieipreissteigerunge n.
Aufwand Eutschadigungen fur die
Nachsession. Militärctat.
Die Rückäußerung der Reichsratskammer zu
dem Antrag Lun (B. Bd.) betr. Ucebersicht uher
die Bestrafungen wegen Uebertretung der
Kriegsvorschriften sieht zuerst zur Be-.
ratung. Die erste Kammer hatte den Antrag
dahin abgeändert, daß künftig derartige Verstöße
nur geahndet werden sollen. wenn vorsätzli
Zuwiderhandlungen in Frage kommen.
wobei gegen geringfügige Vergehen u. solche, die
nicht in gewinnsüchtiger Absicht oder nur fahr.
lässig begangen werden, mnächst nicht mit Straf.
onzeigen, sondern mit Rerwarnungen vor-