Full text : Maximilian II., König von Bayern.

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selbst  zu  helfen,  und  der  Kronprinz  meinte  ihnen  das  größte
Almosen  dadurch  zu  geben,  daß  er  es  ihnen  möglich  mache,
jedes  Almosen  entbehren  zu  können.

Die  erste  Publikation  erschien  im  Herbste  1846.  Die
Schriften  wurden,  schon  gebunden,  sämmtlichen  Schulen  des
Königreiches  zum  Geschenke  gemacht  und  kamen  so  wohlfeil  als
möglich  in  den  Buchhandel.  Das  kostete  Geld.  Jedes  Vereinsmitglied
  sollte  sieben  Gulden  jährlich  zahlen  und  dafür  empfangen:
  den  Dank  der  unbemittelten  Lehrer  und  das  Bewußtsein,
  ein  gutes  Werk  an  seinem  Nebenmenschen  gethan  zu  haben.
Sollte  man  es  für  möglich  halten?  Das  schöne  Unternehmen
faßte  keine  Wurzel.  In  Bayern  fanden  sich  nicht  so  viel  Menschen
  zusammen,  von  den  Tausenden,  die  jährlich  sieben  Gulden
entbehren  können,  nicht  so  viel  Menschenfreunde  fanden  sich,  um
den  Verein  zum  fröhlichen  Gedeihen  zu  bringen.  Nach  etlichen
Jahren  erlosch  er  wegen  Mangel  an  der  erforderlichen  Anzahl
  Mitglieder.  Der  enttäuschte  Kronprinz  aber  nahm  als
König  die  Last,  die  den  Vielen  zu  schwer  war,  allein  auf  seine
Schultern.

Schon  vorher  hatte  er  die  Herausgabe  eines  „Volkskalenders“
  ermöglicht,  der  neben  vielen  schönen  Holzschnitten  nach
Zeichnungen  namhafter  Künstler  einen  Reichthum  an  literarischen
und  gemeinnützigen  Aufsätzen  enthielt,  aber  trotzdem  nur  von
1842—1844  inel.  erschien.  Gewiß  sind  die  Kalender,  weil  sie
in  die  entlegensten  Dörfer,  fast  in  jedes  Haus  dringen,  sehr
wirksame  Kanäle  zur  Verbreitung  nützlicher  Kenntnisse,  aber  der
neue  Volkskalender  hatte  den  Fehler,  daß  er  zu  theuer  kam  und
zu  hoch  über  dem  Niveau  der  Fassungskraft  des  größten  Theiles
des  Landvolkes  stand.  Wer  Hottentotten  bekehren  will,  muß
hottentottisch  sprechen.  Was  nützten  dem  Bauersmann  die  im
Professorenstyl  abgefaßten  Aufsätze  oder  was  kümmerten  ihn
Gedichte,  die  auch  andere  Leute  nicht  lesen  mögen!  Dennoch