Full text : Ausgewählte Urkunden zur deutschen Verfassungsgeschichte seit 1806. I. Teil: 1806-1866. (1)

9.  Hannöversches  Grundgesetz  1833.  153

Das  Recht  der  Wahl  ihrer  Vertreter  steht  den  Gemeinden
jederzeit  zu,  jedoch  Sind  gelbige  nicht  auf  Lebenszeit  zu  wählen.

Auch  Sollen  die  Landgemeinden  in  der  Regel  das  Recht
haben,  ibre  Gemeindebeamte  unter  Vorbehalt  obrigkeitlicher  Be-Stätigung
  zu  wählen.

Ausnahmen  von  dieger  Regel  Können  Sowohl  auf  den  Grund
bestehender  Berechtigungen,  als  besonderer  Verhältnisse  in  den
Gemeinden  stattfinden.

 &  55.  In  den  Fällen,  wo  Ausgaben  verfasSungsmässig  von
einem  Verbande  mehrerer  Gemeinden  gemeinschaftlich  getragen
und  aufgebracht  werden  müggen,  sollen  zur  Prüfung  der  Ausgaben
Selbst,  80wie  zur  Feststellung  der  Repartition  dergelben  gewählte
oder  Sonst  berechtigte  Mitglieder  des  Verbandes  zugezogen  und
diesgen  demnächst  auch  über  die  Aufbringung  und  Verwendung
Rechnung  abgelegt  werden.  Die  nähere  Einrichtung  dieser  Verbände
Soll  nach  Verschiedenheit  der  Provinzen  gegetzlich  reguliert  werden.

8  56.  Die  in  den  verschiedenen  Provinzen  des  Königreichs
bestehenden  ritterschaftlichen  Korporationen  behalten  ihre  StatutenmägSigen
  Rechte,  gsofern  letztere  nicht  durch  das  gegenwärtige
Grundgesgetz  aufgehoben  werden.

Namentlich  bleibt  ihnen  die  Befugnis,  provinzielle  Vereine
behuf  Erhaltung  ihrer  Güter  zu  errichten.

Fünftes  Kapitel.  Von  den  Verhältnissen  der
evangelischen  und  der  römisch-katholischen  Kirche
zum  Staate,  von  den  Unterrichts-Anstalten,  80wie  von
den  zu  wohlthätigen  Zwecken  bestimmten  Fonds.

8  57.  Den  Mitgliedern  der  evangeliSchen  und  der  römischkatholischen
  Kirche  wird  freie  öffentliche  ReligionsSübung  zuge-Sichert.


8  58.  Dem  Könige  gebührt  über  beide  Kirchen  das  in  der
Kirchenhoheit  begriffene  Schutz-  und  Oberaufsichtsrecht.

8  59.  Die  Anordnung  der  inneren  geistlichen  Angelegenheiten
  bleibt  der  in  der  VerfasSung  jeder  dieser  Kirchen  gegründeten
  Kirchengewalt  überlassen.

8  60.  In  der  evangelischen  Kirche  werden  die  Rechte  der
Kirchengewalt  vom  Könige,  und  zwar  durch  Konsistorial-  oder
Presbyterial-Behörden,  zusammengegetzt  aus  evangelischen  Gelistlichen
  und  weltlichen  PergSonen,  unter  der  Aufsicht  des  Ministerii,
Sowie  unter  Aufrechterhaltung  der  den  Gemeinden  und  Einzelnen
zuStehenden  Rechte  ausgeübt.

Sollen  für  das  Königreich  oder  ganze  Landesteile  neue  Kirchenordnungen
  erlassen  oder  in  wesgentlichen  Grundsätzen  dergelben
und  namentlich  der  Liturgie  Veränderungen  gemacht  werden,  80
iSt  darüber  mit  einer  vom  Könige  zusammen  zu  berufenden  Ver-Sammlung
  von  Geistlichen  und  weltlichen  Personen,  welche  teils
vom  Könige  bestimmt,  teils  von  den  Geistlichen  und  Gemeinden