9. Hannöversches Grundgesetz 1833. 153
Das Recht der Wahl ihrer Vertreter steht den Gemeinden
jederzeit zu, jedoch Sind gelbige nicht auf Lebenszeit zu wählen.
Auch Sollen die Landgemeinden in der Regel das Recht
haben, ibre Gemeindebeamte unter Vorbehalt obrigkeitlicher Be-Stätigung
zu wählen.
Ausnahmen von dieger Regel Können Sowohl auf den Grund
bestehender Berechtigungen, als besonderer Verhältnisse in den
Gemeinden stattfinden.
& 55. In den Fällen, wo Ausgaben verfasSungsmässig von
einem Verbande mehrerer Gemeinden gemeinschaftlich getragen
und aufgebracht werden müggen, sollen zur Prüfung der Ausgaben
Selbst, 80wie zur Feststellung der Repartition dergelben gewählte
oder Sonst berechtigte Mitglieder des Verbandes zugezogen und
diesgen demnächst auch über die Aufbringung und Verwendung
Rechnung abgelegt werden. Die nähere Einrichtung dieser Verbände
Soll nach Verschiedenheit der Provinzen gegetzlich reguliert werden.
8 56. Die in den verschiedenen Provinzen des Königreichs
bestehenden ritterschaftlichen Korporationen behalten ihre StatutenmägSigen
Rechte, gsofern letztere nicht durch das gegenwärtige
Grundgesgetz aufgehoben werden.
Namentlich bleibt ihnen die Befugnis, provinzielle Vereine
behuf Erhaltung ihrer Güter zu errichten.
Fünftes Kapitel. Von den Verhältnissen der
evangelischen und der römisch-katholischen Kirche
zum Staate, von den Unterrichts-Anstalten, 80wie von
den zu wohlthätigen Zwecken bestimmten Fonds.
8 57. Den Mitgliedern der evangeliSchen und der römischkatholischen
Kirche wird freie öffentliche ReligionsSübung zuge-Sichert.
8 58. Dem Könige gebührt über beide Kirchen das in der
Kirchenhoheit begriffene Schutz- und Oberaufsichtsrecht.
8 59. Die Anordnung der inneren geistlichen Angelegenheiten
bleibt der in der VerfasSung jeder dieser Kirchen gegründeten
Kirchengewalt überlassen.
8 60. In der evangelischen Kirche werden die Rechte der
Kirchengewalt vom Könige, und zwar durch Konsistorial- oder
Presbyterial-Behörden, zusammengegetzt aus evangelischen Gelistlichen
und weltlichen PergSonen, unter der Aufsicht des Ministerii,
Sowie unter Aufrechterhaltung der den Gemeinden und Einzelnen
zuStehenden Rechte ausgeübt.
Sollen für das Königreich oder ganze Landesteile neue Kirchenordnungen
erlassen oder in wesgentlichen Grundsätzen dergelben
und namentlich der Liturgie Veränderungen gemacht werden, 80
iSt darüber mit einer vom Könige zusammen zu berufenden Ver-Sammlung
von Geistlichen und weltlichen Personen, welche teils
vom Könige bestimmt, teils von den Geistlichen und Gemeinden