Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

479  Schröpfkopf  —  schroten.

einen  schröpfen;  ich  will  mich  schrepfen  lassen  Steinbach;
  übertragen:  dasz  ihm  der  benker  das  geblute
schröpfe  Heyse  3,  77;  befonders  auf  das  Abnehmen
von  Geld  dezogen:  ich  hatte  mir  vorgenommen,  meinen
gästen,  obzwar  nicht  den  rücken,  doch  aber  ihren  beutel
dapfer  zu  schrepfen  Simpl.  2,  61;  welchen  allen  mein
weid  gar  ordentlich  zu  schrepfen  wuste  3,  255;  da  man
ihn  für  steuern  und  geschenke  furehterlich  zu  schröpfen
gedachte  Keller  Nachl.  292.  Bei  Gärtnern  bäume
schröpfen  (schräplen  oec.  Lex.  22321  die  Rinde  kranker
Bäume  anfreißen,  in  der  Landwirtschaft  die  Spitzen  des
Getreides  im  Frühjahr  mit  der  Sichel  abschneiden;  in
der  Küche  üäpfel  schröpfen,  ihre  Rinde  vor  dem  Sieden
ritzen  Adelung.  Dazu:  Schröpfkopf,  m.  Werkzeug
der  Bader  von  der  Form  eines  kleinen  Bechers,  beim
Schröpfen  das  Blut  zu  faugen.

Schrot,  n.,  in  alter  Spr.  und  bisweilen  in  neuerer  m.,
Hieb  und  Abgehauenes,  ahd.  scröt,  mhd.  schrot,  zum
Verbum  echroten  (s.  d.)  gehörig;  die  allgemeine  Bed.
hat  sich  früher,  in  technischer  Spr.  noch  jetzt,  mannigfach
  ausgestaltet,  mhd.  konnte  schröt  Wunde,  Haarschnitt,
  Kleiderschnitt,  Säge=  und  Hackstück  eines  Baumes,
Klotz,  Prügel,  abgeschlagenes  Metallstück,  auch  das  aus
einem  Klotz  oder  von  Dauben  verfertigte  Holzgefäß,
Geschirr,  Faß  bedeuten;  bis  jetzt  sehrot  bei  den  Zimmerleuten
  Block,  Klotz:  schrote  zu  den  brunnenröhren
Adelung;  im  Bergwerk  —  Gezimmer  aus  Klötzen,
auch  verschiedene  Gerüste,  die  aus  kurzen  Hölzern  hergestellt
  werden;  auf  Hüttenwerken  Eisenkörner,  die  in
den  Schlacken  beim  Schmelzen  zurückgeblieben  sind,  auf
den  Kupferhämmern  einzelnes,  von  einem  Hartstück  abgetrenntes
  Stück  Kupfer;  bei  Kammmachern  kleineres
Hornstück  für  einen  Kamm;  bei  Fleischern  gehauenes
Speckstück  von  kleineren  Schweinen;  bei  Müllern,  das
Einmal  zermalmte  Getreide,  daher  in  der  Landwirtschaft
tiere  mit  schrot  füttern,  schrotfutterung;  bei  Steinmetzen
  die  beim  Behauen  der  Steine  abgefallenen  Steinstückchen;
  bei  Tuchmachern  Tuchende,  vgl.  ansebrot:
sonst  außerhalb  der  technischen  Spr.  schrot  abgeschnittenes
Stück,  kurzes  Ende:  der  schncider  schob  sieh  einen
schrot  taback  hinter  die  magere  wange  Storm  neue
Nov.  70;  vgl.  auch  das  als  bildlicher  und  verschämter
Ausdruck  gemeinte  geschröt;  —  am  häufigsten  noch  gekannt
  als  Ausdruck  der  Münze  für  die  aus  einer  Platte
ausgeschnittenen,  zum  Prägen  bestimmten  Silberstücke
von  bestimmtem  Gehalt  und  Gewicht  (vgl.  unter  korn  3),
und  daran  angelehntes  Bild  für  Gewicht,  Wert  und
Art:  der  mann  von  altem  schrote  Haller  110;  ein
klosof  von  feinem  gebrot  Wieland  Perv.  2,  79;  ein
hieb  von  mittlerm  sehrot  Hv  Kleist  Amphitr.  1,  2;  besonders
  in  der  Verbindung  von  altem  schrot  und  korn
(l.  dort);  ein  geldgalan  von  ziemlich  starken  schrot  und
korne  Günther  431;  von  grobem  schrot  und  korn
Scheffel  Tromp.  203;  —  ferner  von  den  abgehackten
Blei=  und  Eisenstückchen,  die  man  früher  in  die  Schießwaffe
  lud  und  fpäter  durch  gegossene  Bleikügelchen
(schrotkörner)  erfetzte;  als  Sammelwort  im  Sing.:  mit
schrote  achieszen,  grandine  plumbea  serire  Steinbach;
  rohr  mit  grobem  aschroot  geladen  Lichtwer
Fab.  1,  3;  pulver  und  achrot  zu  kanfen  Freytag  Soll
2,  124;  im  vereinzelnden  Plur.:  die  spatzen  (fielen)  von
den  schroten  Goethe  Schneider-Conrage.  —  schroten,
1)  zerstücken,  zerhacken,  zermalmen;  hoch=  und  niederd.
Wort,  ahd.  scrötan,  mhd.  schröten,  mnd.  schroden,
schraden,  entsprechend  dem  altengl.  screädian,  engl.
ahred  zerschneiden,  zerschlitzen,  in  Zusammenhang  mit
altnord.  skriödr  Fetzen,  altengl.  scrüc  Kleid,  engl.
shrond  Tuch;  in  alter  Spr.  der  reduplizierenden  Conjugation
  angehörig  (ahd.  Prät.  scrcot,  Part.  gascrolan,
mhd.  schriet,  geschroten,  mud.  seréèd,  gescroden,  geacraden),
  neben  welcher  sich  mhd.  und  mund.  die  schwachen

Formen  entwickeln,  die  im  Nhd.  einzig  fortdauern,  so-Schröter

  —  schrumpfen.  480

weit  nicht  neben  ihnen  das  Part.  geschroten  bleibt  (vgl.
nachher).  Bed.  im  Mhd.  mannigfach  vercinzelt,  neben
dem  allgemcinen  hauen,  schneiden  auch  das  Hauen  von
Wunden,  das  Abschneiden  des  Haares,  Zuschneiden  zu
Kleidern,  Formen  und  Prägen  der  Münze  bezcichnend,
wovon  uhd.  nur  einiges  geblieben:  schroten.  biparlire,
wenn  man  bäumce  schrotet  Schottel;  in  der  Spr.  der
Handwerker:  nadler  schroten  den  draht  zu  nadeln,
schmiede  sehroten  ein  stück  eisen  entzwei,  geschrotene
eisen  (abgeschlagene  Stücke),  in  den  Münzen  zaine  schroten,
bei  Kammmachern  born  schroten  Adelung  (vgl.  oben
schrot);  bei  Landwirten  getreide  schroten  mit  der  Sichel
abschneiden  ebd.  als  veraltet;  im  Bergbau  sehroten,
loshauen,  zerhauen,  zerschlagen,  schlitzen  Veith  429;
sonst  auch  schroten.  mit  geschrotenen  Holzstämmen  bauen
Frisch;  jetzt  noch  besonders  vom  groben  ersten  Zerquetschen
  des  Getreides  in  der  Mühle:  das  getreide  schroten,
Framentum  leviter  molere,  geschrotetes  korn,  /rumentum
  semitritum  Steinbach;  geschrotene  gerste,
bohnen,  erbsen,  geschrotenes  malG  Adelung;  von
dem  Nagen  der  Nagetiere:  schroten,  mit  den  vorderen
zühnen  zernagen  Frisch;  einen  birschkäfer,  der  am
fusze  eines  baumcs  sasz  und  fleiszig  schrotcte  Keller
Sinnged.  408;  scherzend  auch  von  Menschen,  —  kauen:
dapfer  daranf  schroten,  contruncare  cibum  Frifch;
alles  schrotete,  künte,  schluckte  Jmmermann
Münchh.  3,  50.  Dazu  in  Namen  von  Handwerksgeräten,
wie  schrotaxt,  beil,  -bohrer,  -eisen,  -hammer,  -hobel,
süge,  Schere,  u.  a.,  auch  in  schrotzahn,  Schneidezahn.
2)  anderes,  schwachformiges  schroten,  mhd.  schröten,
mnd.  sehroden,  mittelst  eines  aebrotes,  walzensörmigen
Holzstückes  oder  daraus  hergestellten  Gerätes  (sehrotdaum,
  äleiter)  schwere  Last  bewegen:  wein  sehroten,
Iincabare,  deprimere  in  cellam  Schottel;  in  den
keller  schroten  Frisch;  einen  stein  fortschroten.  eine
last  von  dem  wagen,  auf  den  wagen  schroten  Adelung:;
namen  ein  starken  karren  und  schroten  (schroteten)  den
riesen  darauf  B.  d.  Liebe  280°;  scherzhaft:  wir  schroteten
uns  also  wieder  in  den  wagen  Seume  Spaz.  1,  81;
der  andere  arme  tenfel  hatte  sich  schon  .  binauf  zu
bette  geschrotet  mein  Sommer  52.  —  Schröker,  m.
nach  schroten  1,  der  da  schrotet,  mhd.  schrötere,  schröter,
sehrœter:  schrotende  Person,  als  Handwerker  in  Münzstätten,
  Schalenarbeiter  bei  Messerschmieden,  früher  auch
Schneider,  sarkoz  nd.  seroder  Dief.;  Gerät  zum
Schroten,  im  Bergbau  Hammer  von  besonderer  Form
Frisch;  Bezeichnung  eines  nagenden  Käfers,  namentlich
  des  Hirschläfers:  ein  gebuckleten  schröter  Garg.  56;
ich  halte  dich  .  wie  den  schröter  am  faden  Schiller
Kab.  1,  5:  —  nach  schroten  2,  Arbeiter  zum  Fortbewegen
  schwerer  Fässer  in  und  aus  Kellern  Jer.  48,  12;
bicr-,  weinschröter  Adelung.

Schrubben,  f.  sebruppen.  Z  "

Schrulle,  s.  wunderliche  oder  eigensinnige  Einbildung;
auf  niederd.  Mase.  sehrul  Ansall  von  Unsinn,  toller
oder  übler  Laune,  dauernde  Mißstimmung,  beimlicher
Groll  (Schiller-Lübben)  zurückgehend,  verwandt  mit
niederd.  schrel!,  vgl.  unter  schrilt;  in  älterer  hochd.
Form  die  schrolle,  seine  schrollen  haben,  bekommen
Adelung;:  dasz  auch  seine  spartanischen  vorstellungen
sich  zu  einer  sogenannten  unschüdlichen  sehrolle  oder
zu  dem,  was  man  den  wurm  bei  einem  menschen  nennt,
gemildert  hatten  Immermann  Münchh.  1,  79;  neuer
und  jetzt  nur  schrulle:  der  gerichtsrat  hat  ihm  den
kopf  voll  schrullen  gesctzt  Benedix  ein  Lustsp.  1,9;
(daß  die  Phantasie)  oft  auf  seltsame  schrullen  gericth
Treitschke  2,  302;  die  wunderliche  dynastieche
achrulle  des  Baiernkönigs  4,  637.  Dazu  schrullenhaft,
mit  Schrullen  behaftet:  ein  0  schrullenbaftes  dasein
kühren  Wildenbruch  Nov.  138.  »

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