Full text: Archiv für öffentliches Recht. Band 41 (41)

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des Staates_zu .bestimmen®!. Hätten wir wirklich hervorragende 
„u u hen nm. 
führende Geister der Nation gehabt, so hätten sie doch nach Ein- 
führung des parlamentarischen Systems hervortreten und zur Leitung 
des Staats berufen werden müssen. Betrachten wir aber die 
Männer, die heute vermöge dieses Systems an die Spitze des 
Reiches und seiner Gliedstaaten gestellt worden sind! Sind diese 
alle wirklich die nach jeder Richtung hin berufenen, auserlesenen 
Führer der ‚Nation? Sicherlich nicht, schon deshalb nicht, weil 
sie nicht nach ihrer staatsmännischen Bedeutung im allgemeinen 
und nach ihrer besonderen Eignung für den einzelnen Minister- 
posten, sondern lediglich als, wenn auch hervorragende Träger und 
Vertreter parteipolitischer Interessen emporgehoben und an die 
Spitze des Staates gestellt worden sind ”. Die wahren Führer 
3 5, hierzu auch HasBAcH a. a. O. S. 290: „MOoREAUD hegt die Auf- 
fassung, daß nur die parlamentarische Regierung große Führer hervorbringe. 
aber auch in seinem Werke fehlt der zwingende psychologische Beweis für 
den notwendigen Zusammenhang zwischen Parlamentarismus und Führer- 
tum. Wer ihn nicht liefern kann, sollte wenigstens einen empirischen 
geschichtlichen Nachweis erbringen. Anstatt dessen stellt er eine andere 
unbewiesene Behauptung auf, daß nämlich die Minister parlamentarisch 
regierter Staaten ein höheres Vertrauen genössen, weil sie indirekt vom 
Volke gewählt würden. Mit größter Zuversicht darf man behaupten, daß 
die deutschen Minister in Deutschland angesehener waren, als die franzö- 
sischen in Frankreich.“ 
#2, Dies muß auch LUSENSKY, sonst ein lebhafter Verteidiger des par- 
lamentarischen Systems, zugeben, wenn er im „Neuen Staat“ S. 84 sagt: 
„Die Ministerposten sind mit Personen besetzt worden, die sich um ihre 
Parteien gewiß verdient gemacht haben mögen, aber mit wenigen Ausnahmen 
weder die Kenntnisse norlı die persönlichen Kigenschaften besitzen, die sie 
zur Leitung eines großen Staatswesens und zur Führung der Reichstags- 
mehrheit befäbigen.“ Da solche aber unter den Mitgliedern der National- 
versammlung überhaupt nur sehr spärlich vorhanden seien, so hätte man 
auch auf‘ Personen »„urückgreifen sollen, die nicht dem Parlamente 
angehörten. „Das Wesen des parlamentarischen Systems bestehe nicht 
darin, daß die Minister ausschließlich aus den Reihen der Parlamentsmit- 
glieder entnommen werden und für die Parteien die Möglichkeit geschaffen 
werde, verdiente Parteileute, darunter auch solche zweiter und dritter 
Ordnung, mit Ministersesseln zu belohnen. Sollte die parlamentarische 
 
	        
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