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schaften und Pferden erforderlichen Ausrüstungs-
gegenstände ihrer Eisenbahnwagen vorrätig zu
halten, die Beförderung der bewaffneten Macht
und der Kriegsbedürfnisse zu bewirken und ihr
Personal sowie ihr zur Herstellung und zum Be-
triebe von Eisenbahnen dienliches Material herzu-
geben. Für die Bereithaltung der Ausrüstungs-
gegenstände der Eisenbahnwagen wird eine Ver-
gütung nicht gewährt. Die Verwaltungen der
Eisenbahnen auf dem Kriegsschauplatz selbst oder
in dessen Nähe haben bezüglich der Einrichtung,
Fortführung, Einstellung und Wiederaufnahme
des Bahnbetriebs den Anordnungen der Militär-
behörde Folge zu leisten. Die geltenden Einzel-
vorschriften sind in der Militärtransportordnung
und in dem Militärtarif für Eisenbahnen vom
18. Jan. 1899 enthalten (vgl. unter I.). —
6) Für Leistungen, durch welche einzelne Bezirke,
Gemeinden oder Personen außergewöhnlich be-
lastet werden, sowie für alle durch den Krieg ver-
ursachten Beschädigungen an beweglichem oder
unbeweglichem Eigentum, sog. Kriegsschäden,
welche nach den Vorschriften des Kriegsleistungs-
gesetzes nicht oder nicht hinreichend entschädigt
werden, wird Umfang und Höhe der Entschädi-
gung sowie das Verfahren bei Feststellung der-
selben durch jedesmaliges Spezialgesetz des Reichs
bestimmt.
III. Eigentumsbeschränkungen. 1) Die
Grundstücke in der Umgebung von
Festungen unterliegen mit Rücksicht auf die
Verteidigungsfähigkeit der Festungen weitgehenden
Eigentumsbeschränkungen, welche je nach der Ent-
fernung von der Festungsenceinte in drei Rayons
abgestuft sind. Gewisse Anlagen und Bauten sind
unbedingt verboten, andere dürfen nur mit Ge-
nehmigung der Militärbehörde errichtet werden.
Die Entschädigung für die auferlegten Eigentums-
beschränkungen wird von der Zivilverwaltungs-
behörde durch Beschluß festgestellt; gegen den Be-
schluß steht der Rechtsweg offen. Die Entschädigung
wird regelmäßig in Form einer Rente gewährt
(ogl. Reichsgesetz vom 21. Dez. 1871). — 2) In
den Gebieten der Reichskriegshäfen sind
Bauten, Anlagen und Unternehmungen, welche
die Sand= oder Schlickablagerung oder die Ver-
landung fördern, nicht ohne die Genehmigung des
Marinestationschefs zulässig. Auf Zuwiderhand-
lungen gegen diese Bestimmung ist Geldstrafe an-
gedroht (Reichsgesetz vom 19. Juni 1883, 88 3,
4). — 3) Für den Fall eines Krieges kann durch
kaiserliche Verordnung bestimmt werden, daß die
Verwendung von Tauben zur Beförderung von
Nachrichten, sog. Brieftauben, ohne Geneh-
migung der Militärbehörde mit Gefängnis bis zu
drei Monaten zu bestrafen ist (Reichsgesetz vom
28. Mai 1894, 8 4).
L. Militärkosten. Eine wesentliche Bürg-
schaft für die gleichmäßige Durchführung der
Militärgesetze und die ordnungsmäßige Voll-=
zähligkeit der Truppen bildet die Vorschrift der
Militärwesen des Deutschen Reichs.
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Reichsverfassung (Art. 58), daß die gesamten
Kosten des Reichskriegswesens von allen Bun-
desstaaten gleichmäßig zu tragen sind.
Die Durchführung dieses Grundsatzes für Bayern
geschieht in der Weise, daß Bayern aus der ihm
im Reichsetat bemessenen Quote die Kosten seines
Kriegswesens, einschließlich der in seinem Gebiet
gelegenen festen Plätze und sonstigen Fortifika-
tionen, allein trägt (Bündnisvertrag vom
23. Nov. 1870, III, § 5). Über die Höhe und
Zunahme der Ausgaben des Reichs für Heer und
Marine vgl. d. Art. Heerwesen und Marinewesen.
Literatur. Der geschichtlichen Entwicklung ent-
sprechend wird das Militärwesen literarisch meist
bei Darstellung des Heerwesens behandelt; es sind
daher vor allem die Schriften über Heerwesen zu
vergleichen (s. Art. Heerwesen). Die staatsrecht-
liche Seite des Militärwesens findet sich am besten
erörtert in Laband, Staatsrecht des Deutschen
Reichs IV (11901) 1 ff u. bezüglich der bayrischen
Verhältnisse in Seydel, Bayrisches Staatsrecht III
(21896).
Zu einzelnen Abschnitten des vorstehenden Ar-
tikels ist an Literatur hervorzuheben:
über Kommandogewalt: Hecker, in Stengels
Wörterbuch des deutschen Verwaltungsrechts I
(1890) 63 („Armeebefehl u. Armeeverordnung");
G. Meyer, Lehrbuch des deutschen Verwaltungs-
rechts (21894), 2. Tl, S. 35; Seydel, Bayrisches
Staatsrecht III 706; Mischler-Ulbrich, ÖOsterreichi-
sches Staatswörterbuch (21905) („Armeebefehl“").
Über Verwendung des Militärs im Frieden:
Krug, Beitrag zur Instruktion über Verhaftungen
u. Waffengebrauch (5/1895); Fritz van Calker, Das
Recht des Militärs zum administrativen Waffen-
gebrauch (1888); J. Brüß, Der Belagerungszu-
stand als Rechtsinstitut (1897).
über Wehrpflicht: E. Knorr, Das erste deutsche
Parlament u. die Wehrfragen (1887); Rott, Wehr-
pflicht im Deutschen Reich (1896).— Walcker, Die
Notwendigkeit der militärischen Jugenderziehung
u. wirklich allgemeinen Wehrpflicht (1873); J.
v. Hartmann, Die allgemeine Wehrpflicht (21879);
Stürenburg, Wehrpflicht u. Erziehung (1879);
Ratzenhofer, Staatswehr (1881); Otto, Zur Ge-
schichte der Theorie der allgemeinen Wehrpflicht in
Deutschland (1900); Rocholl, über unsere allge-
meine Wehr= u. Dienstpflicht wider den äußern u.
innern Feind (1900). — Die Militärpflicht der
Theologen im Deutschen Reich (1875); Dupanloup,
Über die Verpflichtung der kath. Theologen zum
Militärdienst (1876). — Helmcke, Wehrpflicht der
Lehrer (1888); Heydt, Militärdienstpflicht der
Volksschullehrer (1896); Reishauer, Militärdienst
der Volksschullehrer (1898).
Über Dienstzeit: v. Viebahn, Die zweijährige
Dienstzeit (1890); A. E. Müller, Zweijährige
Dienstzeit (1890); Schiller-Tietz, Heer u. Natio-
nalkraft (1892); v. Boguflawski, Notwendigkeit
der zweijährigen Dienstzeit ((11893); R. Krafft,
250 Millionen erspart oder die neunmonatige Prä-
senzzeit (1898).
Über Offizierstand: O. v. üchhtritz, Das deutsche
Offizierkorps u. seine Bedeutung für Königtum
u. Gesellschaft (1887); P. v. Schmidt, Das deut-
sche Offiziertum u. die Zeitströmungen (1892);
R. Krafft, Glänzendes Elend (1895); E. Goldbeck,