Abwehr vaterlandsfeindlicher Umtriebe 309
parlament; weithin durch Deutschland fanden die Worte „eines
der besten Deutschen“, wie ihn Bismarck genannt hat, als er
1882 dahinschied, überall in deutschen Landen Widerhall, wo
das Gefühl, daß die Winterstürme dem Frühlinge wichen, kräftiger
und kräftiger wurde.
Während der Verhandlungen hatte der Kanzler zu Bluntschli
über seinen Gesundheitszustand geklagt, er könne nachts nur
zwei Stunden schlafen und müsse viele Stunden warten, bis
ein wenig Schlaf komme. Er wolle auf Monate weggehen zu
seiner Erholung. Am 29. Mai, während er zu Pferde der
Parade auf dem Tempelhofer Felde beiwohnte, erkrankte er
plötzlich an rheumatischer Affektion des Rippenfells; er mußte
vom 16. Juni bis Anfang Dezember ausspannen und sich Ruhe
in Varzin gönnen, soweit das dem rastlos tätigen Manne
möglich war. Die Maschine war zu groß, mit der er arbeiten
mußte: preußischer Ministerprässdent, Minister des Auswärtigen,
Bundeskanzler und in Anspruch genommen von drei Parlamenten,
dem norddeutschen Reichstag, den preußischen Kammern
und dem Zollparlament. Und jedes Parlament stellte hohe Anforderungen
an ihn, keins konnte ihn missen.
Auch den Landtagsverhandlungen konnte er nicht fern
bleiben. Und hier stand er vielfach im Kampf mit alten Gegnern,
mit alten Freunden und dazu gegen Polen, Dänen und
Welfen. Kampf war nun einmal der tragische Beruf von
Bismarcks Leben, insofern alles Tragische eben darauf beruht,
daß es etwas gibt, von dem wir nicht lassen können. Das
war bei Biesmarck die Liebe zu seinem vaterländischen Werk
und das altpreußische Pflichtgefühl, dieses Werk zu schützen
mit aller Kraft zu jeder Stunde.
Vor allem waren es Fragen mit nationalem Einschlag,
Fragen der Sicherheit des Vaterlandes, die ihn in den Harnisch
brachten. Gegen die Polen, wenn sie gegen die Einverleibung
ehemals polnischer Landesteile der preußischen Monarchie
in den Norddeutschen Bund protestierten. Er griff hier
den Stier bei den Hörnern und faßte jene Proteste auf als
das, was sie waren, als einen Angriff gegen die preußische