werden solle, dringend geboten, daß die dritte Armee diesen
Angriff, der mit dem linken Flügel der zweiten Armee auf
Mettet gehen sollte, durch einen Angriff in der Richtung
Ost—West unterstütze.“
Dieser Hilferuf der zweiten Armee stellte das Oberkommando
der dritten Armee vor die schwerwiegende Entschließung,
ob es an seinem vor 1½ Stunde bekanntgegebenen
Armeebefehle, das heißt: an der Fortsetzung der Offensive
in südwestlicher Richtung festhalten oder dem von der
zweiten Armee gestellten Antrage — Vorrücken von Ost
nach West — Gehör geben sollte. Die kurze Frist, die
dem Oberkommando der dritten Armee zur Entschließung
zur Verfügung stand, wollte doch die zweite Armee mit
Tagesanbruch — also in etwa 2½ Stunden — antreten,
schloß jede weitere Verhandlung, sei es mit dem Oberkommando
der zweiten Armee oder mit der Obersten Heeresleitung,
völlig aus.
Gegen ein Vorgehen von Ost nach West sprach auch der
von der vierten Armee in den beiden letzten Tagen erfochtene
Sieg und die am 24. August beginnende Verfolgung der
vierten Armee auf Charleville. Diese versprach der Südwestoffensive
der dritten Armee besonders förderlich zu
werden, weil sie die Trennung der beiden in Frage kommenden
französischen Heeresgruppen (Charleville bzw. Philippeville)
bereits in die Wege geleitet hatte.
Dennoch entschloß sich das Oberkommando der dritten
Armee, dem Rufe der zweiten Armee Gehör zu geben und
zwar in Rücksicht darauf, daß nach den Weisungen der
Obersten Heeresleitung das Vorgehen der zweiten Armee
neben dem der ersten Armee für die Südschwenkung des
Heeres maßgebend sein sollte und daher nach Ansicht des
Oberkommandos der dritten Armee jede durch den Feind
veranlaßte Störung dieser Bewegung den Erfolg der deutschen
Gesamtoperationen in Frage zu stellen drohte. Dieser
Notwendigkeit, einem etwaigen taktischen Rückschlage des
rechten Heeresflügels vorzubeugen, opferte das Oberkommando
der dritten Armee seine sich ihm insonderheit bietenden
operativen Vorteile und funkte an das Oberkommando
der zweiten Armee: „Wir greifen in Nichtung
Mettet und südlich an. Fouqus ist hier.“
Das Oberkommando der dritten Armee erließ sofort,
trotz der Gefahr, daß eine Aufhebung des soeben erst
ergangenen Armeebefehls Nr. 1 durch neue Anordnungen
zahllose Reibungen in der Befehlsübermittelung und in
den Truppenbewegungen zur Folge haben könnte, einen
Armeebefehl Nr. 2 — Toviet 24. Augusi ",# Uhr früh,
der dem Angriffe die gewünschte Richtung Ost—West gab.
Durch dieses Entgegenkommen seitens des Oberkommandos
der dritten Armee war in kritischer
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erfuhr das Oberkommando der dritten Armee durch die Luftaufklärung,
daß der französische Rückzug in südlicher und südwestlicher
Richtung und d Iwar in breiter Front über die Linie
Givet t vor sich ging. Diese Tatsache
sowie der Umstand, daß der von der zweiten Armee
erwartete Kampf scheinbar nicht zur Auswirkung kam, veranlaßte
das Oberkommando der dritten Armee, seinen ursprünglichen
Gedanken der südwestwärts gerichteten Offensive
unverzüglich wieder aufzunehmen und die vom Oberkommando
der zweiten Armee erbetene Bewegungerichtung
Ost—- West aufzugeben. Dementsprechend wurden die Nachbararmeen
verständigt und ein neuer
Armeebefehl Nr. 3 — Dinant 9,45 Uhr früh
erlassen, wonach die Wege einzuschlagen waren (Skizze 4):
23.Reservedivision über Florennes—hilippeville —Mariembourg—Gouvin—Bruly,
XII. Armeekorps Nosée — Franchimont — Fagnolle —
Dourbes—Nismes—Nocroi,
XIX. Armeekorps, Teile westlich der Maas über Romedenne—Romerée
—Oignies—Fumay,
die anderen Teile Richtung zumhNeoin.
Nachdem das Oberkommando der dritten Armee, hart
östlich Dinant stehend, am 24. August Gewißheit gewonnen
hatte, daß der Brückenschlag bei Leffe seiner Beendigung
entgegensah und dort der Uferwechsel der noch rechts der
Maas stehenden Kräfte der 32. Infanteriedivision und der
23. Reservedivision anstandslos vor sich gehen würde, begab
es sich nach Les Rivages zu der für die 23. Infanteriedivision
erwählten Brückenstelle, wo das Leibgrenadierregiment
loo gegen 1 Uhr nachmittags noch in zeitraubendem
Ülbersetzen begriffen war. Nach langem Warten wurde
der engere Stab des Oberkommandos auf das linke Maasufer
übergesetzt. Er fuhr über das Gefechtsfeld bei Lenne
zunächst nach Onhaye, in der Erwartung, dort Näheres
durch die Vorhut der 23. Infanteriedivision über den Abzug
des Feindes zu hören. Die Divisionskavallerie weiter
vorn vermutend, setzte das Oberkommando seine Fahrt
über Gérin—Anthée bis dicht vor Nosée fort, kehrte aber,
ohne auf der Straße Freund oder Feind angetroffen zu
haben, um, beobachtete während der Rückfahrt ein auf
der Höhe südwestlich Morville zwischen den Spitzen der
24. Infanteriedivision und einer französischen Nachhut sich
entspinnendes Gefecht und gewann dann später die Straßen-=gabel
nördlich von Flavion. Dort kam dem Oberkommando
eine belgische Infanterieabteilung — ungefähr 60 Mann
verschiedener Regimenter, Zerrbilder von Soldaten — in
geordnetem Zuge marschierend, voran eine weiße Fahne,
hinterher zwei Kraftwagen, entgegen, die sich ohne weiteres
Stunde eine vornehmlich den Interessen
der zweiten Armee dienende Vereinbarung
zwischen diesen Armeen zustande gekommen.
Einheitliche Leitung der ersten, zweiten,
dritten und vierten Armee als Heeresgruppe
würde der Gefahr vorgebeugt haben,
die hier der Verwirklichung eines taktischen
Zusammenwirkens der zweiten und dritten
Armee drohte. Sie allein konnte übersehen,
ob und wie die operativen Wege,
welche die dritte Armee einzuschlagen beabsichtigte,
mit den Verhältnissen an der
Sambrefront in Einklang zu bringen waren.
Diese Lücke in der sonst so vortrefflich
organisierten deutschen Heeresführung isi
ja im Verlauf des Krieges behoben und
die Gliederung der gewaltigen Heeresmassen
in Heeresgruppen später durchgeführt
worden. —
Am frühen Vormittag des 24. Augusi
Freyr, Flsen am rechten Maasufer